Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts

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Friedrich Hölderlin: Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts
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Triumph, als allerobernd vom Indus her
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Der junge Bacchus kam, mit heilgem
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Weine vom Schlafe die Völker weckend.

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Und du, des Tages Engel! erweckst sie nicht,
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Die jetzt noch schlafen? gib die Gesetze, gib
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Uns Leben, siege, Meister, du nur
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Hast der Eroberung Recht, wie Bacchus.

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Nicht, was wohl sonst des Menschen Geschick und Sorg
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Im Haus und unter offenem Himmel ist,
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Wenn edler, denn das Wild, der Mann sich
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Wehret und nährt! denn es gilt ein anders,

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Zu Sorg und Dienst den Dichtenden anvertraut!
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Der Höchste, der ists, dem wir geeignet sind,
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Daß näher, immerneu besungen
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Ihn die befreundete Brust vernehme.

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Und dennoch, o ihr Himmlischen all, und all
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Ihr Quellen und ihr Ufer und Hain' und Höhn,
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Wo wunderbar zuerst, als du die
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Locken ergriffen, und unvergeßlich

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Der unverhoffte Genius über uns
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Der schöpferische, göttliche kam, daß stumm
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Der Sinn uns ward und, wie vom
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Strahle gerührt, das Gebein erbebte,

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Ihr ruhelosen Taten in weiter Welt!
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Ihr Schicksalstag', ihr reißenden, wenn der Gott
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Stillsinnend lenkt, wohin zorntrunken
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Ihn die gigantischen Rosse bringen,

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Euch sollten wir verschweigen, und wenn in uns
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Vom stetigstillen Jahre der Wohllaut tönt,
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So sollt es klingen, gleich als hätte
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Mutig und müßig ein Kind des Meisters

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Geweihte, reine Saiten im Scherz gerührt?
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Und darum hast du, Dichter! des Orients
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Propheten und den Griechensang und
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Neulich die Donner gehört, damit du

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Den Geist zu Diensten brauchst und die Gegenwart
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Des Guten übereilest, in Spott, und den Albernen
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Verleugnest, herzlos, und zum Spiele
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Feil, wie gefangenes Wild, ihn treibest?

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Bis aufgereizt vom Stachel im Grimme der
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Des Ursprungs sich erinnert und ruft, daß selbst
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Der Meister kommt, dann unter heißen
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Todesgeschossen entseelt dich lässet.

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Zu lang ist alles Göttliche dienstbar schon
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Und alle Himmelskräfte verscherzt, verbraucht
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Die Gütigen, zur Lust, danklos, ein
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Schlaues Geschlecht und zu kennen wähnt es,

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Wenn ihnen der Erhabne den Acker baut,
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Das Tagslicht und den Donnerer, und es späht
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Das Sehrohr wohl sie all und zählt und
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Nennet mit Namen des Himmels Sterne.

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Der Vater aber decket mit heilger Nacht,
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Damit wir bleiben mögen, die Augen zu.
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Nicht liebt er Wildes! Doch es zwinget
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Nimmer die weite Gewalt den Himmel.

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Noch ists auch gut, zu weise zu sein. Ihn kennt
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Der Dank. Doch nicht behält er es leicht allein,
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Und gern gesellt, damit verstehn sie
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Helfen, zu anderen sich ein Dichter.

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Furchtlos bleibt aber, so er es muß, der Mann
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Einsam vor Gott, es schützet die Einfalt ihn,
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Und keiner Waffen brauchts und keiner
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Listen, so lange, bis Gottes Fehl hilft.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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