Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne

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Friedrich Hölderlin: Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne
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Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt,
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O ihr Guten! auch wir sind
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Tatenarm und gedankenvoll!

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Aber kommt, wie der Strahl aus dem Gewölke kommt,
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Aus Gedanken vielleicht, geistig und reif die Tat?
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Folgt die Frucht, wie des Haines
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Dunklem Blatte, der stillen Schrift?

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Und das Schweigen im Volk, ist es die Feier schon
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Vor dem Feste? die Furcht, welche den Gott ansagt?
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O dann nimmt mich, ihr Lieben!
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Daß ich büße die Lästerung.

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Schon zu lange, zu lang irr ich, dem Laien gleich,
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In des bildenden Geists werdender Werkstatt hier,
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Nur was blühet, erkenn ich,
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Was er sinnet, erkenn ich nicht.

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Und zu ahnen ist süß, aber ein Leiden auch,
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Und schon Jahre genug leb ich in sterblicher
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Unverständiger Liebe
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Zweifelnd, immer bewegt vor ihm,

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Der das stetige Werk immer aus liebender
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Seele näher mir bringt, lächelnd dem Sterblichen,
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Wo ich zage, des Lebens
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Reine Tiefe zu Reife bringt.

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Schöpferischer, o wann, Genius unsers Volks,
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Wann erscheinest du ganz, Seele des Vaterlands,
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Daß ich tiefer mich beuge,
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Daß die leiseste Saite selbst

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Mir verstumme vor dir, daß ich beschämt
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Eine Blume der Nacht, himmlischer Tag, vor dir
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Enden möge mit Freuden,
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Wenn sie alle, mit denen ich

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Vormals trauerte, wenn unsere Städte nun
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Hell und offen und wach, reineren Feuers voll
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Und die Berge des deutschen
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Landes Berge der Musen sind,

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Wie die herrlichen einst, Pindos und Helikon,
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Und Parnassos, und rings unter des Vaterlands
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Goldnem Himmel die freie,
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Klare, geistige Freude glänzt.

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Wohl ist enge begrenzt unsere Lebenszeit,
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Unserer Jahre Zahl sehen und zählen wir,
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Doch die Jahre der Völker,
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Sah ein sterbliches Auge sie?

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Wenn die Seele dir auch über die eigne Zeit
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Sich, die sehnende, schwingt, trauernd verweilest du
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Dann am kalten Gestade
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Bei den Deinen und kennst sie nie,

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Und die Künftigen auch, sie, die Verheißenen,
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Wo, wo siehest du sie, daß du an Freundeshand
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Einmal wieder erwarmest,
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Einer Seele vernehmlich seist?

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Klanglos, ists in der Halle längst,
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Armer Seher! bei dir, sehnend verlischt dein Aug
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Und du schlummerst hinunter
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Ohne Namen und unbeweint.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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