Der Mensch

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Friedrich Hölderlin: Der Mensch (1806)

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Kaum sproßten aus den Wassern, o Erde, dir
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Der jungen Berge Gipfel und dufteten
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Lustatmend, immergrüner Haine
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Voll, in des Ozeans grauer Wildnis

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Die ersten holden Inseln; und freudig sah
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Des Sonnengottes Auge die Neulinge,
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Die Pflanzen, seiner ewgen Jugend
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Lächelnde Kinder, aus dir geboren.

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Da auf der Inseln schönster, wo immerhin
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Den Hain in zarter Ruhe die Luft umfloß,
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Lag unter Trauben einst, nach lauer
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Nacht, in der dämmernden Morgenstunde

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Geboren, Mutter Erde! dein schönstes Kind; –
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Und auf zum Vater Helios sieht bekannt
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Der Knab, und wacht und wählt, die süßen
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Beere versuchend, die heilge Rebe

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Zur Amme sich; und bald ist er groß; ihn scheun
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Die Tiere, denn ein anderer ist, wie sie,
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Der Mensch; nicht dir und nicht dem Vater
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Gleicht er, denn kühn ist in ihm und einzig

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Des Vaters hohe Seele mit deiner Lust,
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O Erd! und deiner Trauer von je vereint;
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Der Göttermutter, der Natur, der
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Allesumfassenden möcht er gleichen!

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Ach! darum treibt ihn, Erde! vom Herzen dir
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Sein Übermut, und deine Geschenke sind
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Umsonst und deine zarten Bande;
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Sucht er ein Besseres doch, der Wilde!

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Von seines Ufers duftender Wiese muß
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Ins blütenlose Wasser hinaus der Mensch,
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Und glänzt auch, wie die Sternenacht, von
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Goldenen Früchten sein Hain, doch gräbt er

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Sich Höhlen in den Bergen und späht im Schacht,
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Von seines Vaters heiterem Lichte fern,
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Dem Sonnengott auch ungetreu, der
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Knechte nicht liebt und der Sorge spottet.

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Denn freier atmen Vögel des Walds, wenn schon
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Des Menschen Brust sich herrlicher hebt, und der
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Die dunkle Zukunft sieht, er muß auch
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Sehen den Tod und allein ihn fürchten.

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Und Waffen wider alle, die atmen, trägt
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In ewigbangem Stolze der Mensch; im Zwist
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Verzehrt er sich und seines Friedens
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Blume, die zärtliche, blüht nicht lange.

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Ist er von allen Lebensgenossen nicht
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Der seligste? Doch tiefer und reißender
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Ergreift das Schicksal, allausgleichend,
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Auch die entzündbare Brust dem Starken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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