Einladung

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Friedrich Hölderlin: Einladung (1806)

1
Dein Morgen, Bruder, ging so schön hervor,

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Ein heitres Frührot glänzte dir entgegen,
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Den wonnevollsten Lebenstag verheißend.
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Die Musen weihten dich zu ihrem Priester,
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Die Liebe kränzte dir das Haupt mit Rosen,
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Und goß die reinsten Freuden in dein Herz.
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Wer war wie du beglückt? Das Schicksal hat
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Es anders nun gemacht; ein schwarzer Sturm
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Verschlang des Tages Licht; der Donner rollte
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Und traf dein sichres Haupt; im Grabe liegt,
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Was du geliebt; dein Eden ist vernichtet.

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O Bruder, Bruder, daß dein Schicksal mir

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So schrecklichwahr des Lebens Wechsel deutet!
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Daß Disteln hinter Blumengängen lauern,
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Daß giftger Tod in Jugendadern schleicht,
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Daß bittre Trennung selbst den Freunden oft
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Den armen Trost versagt, den Schmerz zu teilen!
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Da baun wir Plane, träumen so entzückt
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Vom nahen Ziel, und plötzlich, plötzlich zuckt
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Ein Blitz herab, und öffnet uns das Grab.
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Ich sah im Geist dein Leiden all. Da ging
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Ich trüben Blicks hinab am Maingestade,
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Sah in die Wogen, bis mir schwindelte,
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Und kehrte still und voll der dunkeln Zukunft,
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Und voll des Schicksals, welches unser wartet,
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Beim Untergang der Sonn in meine Klause.

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O Bruder, komm nach jahrelanger Trennung

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An meine Brust! Vielleicht gelingt es uns,
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Noch einen jener schönen Abende,
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Die wir so oft am Herzen der Natur
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Mit reinem Sinn und mit Gesang gefeiert,
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Zurück zu zaubern, und noch einmal froh
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Hinein zu schauen in das Leben! Komm,
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Es wartet dein ein eigen Deckelglas,
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Stiefmütterlich soll nicht mein Fäßchen fließen.
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Es wartet dein ein freundliches Gemach,
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Wo unsre Herzen liebend sich ergießen!
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Komm, eh der Herbst der Gärten Schmuck verderbt,
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Bevor die schönen Tage von uns eilen,
40
Und laß durch Freundschaft uns des Herzens Wunden heilen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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