Leuchtest du wie vormals nieder

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Friedrich Hölderlin: Leuchtest du wie vormals nieder Titel entspricht 1. Vers(1797)

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Leuchtest du wie vormals nieder,
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Goldner Tag! und sprossen mir
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Des Gesanges Blumen wieder
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Lebenatmend auf zu dir?
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Wie so anders ists geworden!
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Manches, was ich trauernd mied,
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Stimmt in freundlichen Akkorden
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Nun in meiner Freude Lied,
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Und mit jedem Stundenschlage
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Werd ich wunderbar gemahnt
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An der Kindheit stille Tage,
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Seit ich Sie, die Eine, fand.

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Diotima! edles Leben!
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Schwester, heilig mir verwandt!
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Eh ich dir die Hand gegeben,
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Hab ich ferne dich gekannt.
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Damals schon, da ich in Träumen,
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Mir entlockt vom heitern Tag,
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Unter meines Gartens Bäumen,
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Ein zufriedner Knabe, lag,
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Da in leiser Lust und Schöne
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Meiner Seele Mai begann,
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Säuselte, wie Zephirstöne,
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Göttliche! dein Geist mich an.

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Ach! und da, wie eine Sage,
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Jeder frohe Gott mir schwand,
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Da ich vor des Himmels Tage
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Darbend, wie ein Blinder, stand,
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Da die Last der Zeit mich beugte,
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Und mein Leben, kalt und bleich,
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Sehnend schon hinab sich neigte
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In der Toten stummes Reich:
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Wünscht ich öfters noch, dem blinden
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Wanderer, dies Eine mir,
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Meines Herzens Bild zu finden
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Bei den Schatten oder hier.

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Nun! ich habe dich gefunden!
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Schöner, als ich ahndend sah,
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Hoffend in den Feierstunden,
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Holde Muse! bist du da;
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Von den Himmlischen dort oben,
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Wo hinauf die Freude flieht,
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Wo, des Alterns überhoben,
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Immerheitre Schöne blüht,
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Scheinst du mir herabgestiegen,
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Götterbotin! weiltest du
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Nun in gütigem Genügen
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Bei dem Sänger immerzu.

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Sommerglut und Frühlingsmilde,
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Streit und Frieden wechselt hier
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Vor dem stillen Götterbilde
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Wunderbar im Busen mir;
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Zürnend unter Huldigungen
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Hab ich oft, beschämt, besiegt,
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Sie zu fassen, schon gerungen,
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Die mein Kühnstes überfliegt;
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Unzufrieden im Gewinne,
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Hab ich stolz darob geweint,
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Daß zu herrlich meinem Sinne
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Und zu mächtig sie erscheint.

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Ach! an deine stille Schöne,
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Selig holdes Angesicht!
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Herz! an deine Himmelstöne
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Ist gewohnt das meine nicht;
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Aber deine Melodien
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Heitern mählig mir den Sinn,
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Daß die trüben Träume fliehen,
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Und ich selbst ein andrer bin;
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Bin ich dazu denn erkoren?
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Ich zu deiner hohen Ruh,
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So zu Licht und Lust geboren,
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Göttlichglückliche! wie du? –

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Wie dein Vater und der meine,
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Der in heitrer Majestät
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Über seinem Eichenhaine
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Dort in lichter Höhe geht,
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Wie er in die Meereswogen,
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Wo die kühle Tiefe blaut,
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Steigend von des Himmels Bogen,
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Klar und still herunterschaut:
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So will ich aus Götterhöhen,
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Neu geweiht in schönrem Glück,
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Froh zu singen und zu sehen,
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Nun zu Sterblichen zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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