An einen Baum

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Friedrich Hölderlin: An einen Baum (1797)

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... und die ewigen Bahnen
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Lächelnd über uns hin zögen die Herrscher der Welt,

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Sonne und Mond und Sterne, und auch die Blitze der Wolken
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Spielten, des Augenblicks feurige Kinder, um uns,
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Aber in unsrem Innern, ein Bild der Fürsten des Himmels,
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Wandelte neidlos der Gott unserer Liebe dahin,
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Und er mischte den Duft, die reine, heilige Seele,
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Die, von des Frühlinges silberner Stunde genährt,
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Oft überströmte, hinaus ins glänzende Meer des Tages,
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Und in das Abendrot und in die Wogen der Nacht,
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Ach! wir lebten so frei im innig unendlichen Leben,
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Unbekümmert und still, selber ein seliger Traum,
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Jetzt uns selber genug und jetzt ins Weite verfliegend,
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Aber im Innersten doch immer lebendig und eins.
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Glücklicher Baum! wie lange, wie lange könnt ich noch singen
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Und vergehen im Blick auf dein erbebendes Haupt,
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Aber siehe! dort regt sichs, es wandeln in Schleiern die Jungfraun
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Und wer weiß es, vielleicht wäre mein Mädchen dabei;
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Laß mich, laß mich, ich muß – lebwohl! es reißt mich ins Leben,
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Daß ich im kindischen Gang folge der lieblichen Spur,
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Aber du Guter, dich will, dich will ich nimmer vergessen,
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Ewig bist du und bleibst meiner Geliebtesten Bild.
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Und käm einmal ein Tag, wo sie die meinige wäre,
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O! dann ruht ich mit ihr, unter dir, Freundlicher, aus
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Und du zürnetest nicht, du gössest Schatten und Düfte
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Und ein rauschendes Lied über die Glücklichen aus.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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