An die Unerkannte

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Friedrich Hölderlin: An die Unerkannte (1796)

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Kennst du sie, die selig, wie die Sterne,
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Von des Lebens dunkler Woge ferne
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Wandellos in stiller Schöne lebt,
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Die des Herzens löwenkühne Siege,
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Des Gedankens fesselfreie Flüge,
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Wie der Tag den Adler, überschwebt?

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Die uns trifft mit ihren Mittagsstrahlen,
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Uns entflammt mit ihren Idealen,
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Wie vom Himmel, uns Gebote schickt,
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Die die Weisen nach dem Wege fragen,
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Stumm und ernst, wie von dem Sturm verschlagen
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Nach dem Orient der Schiffer blickt?

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Die das Beste gibt aus schöner Fülle,
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Wenn aus ihr die Riesenkraft der Wille
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Und der Geist sein stilles Urteil nimmt,
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Die dem Lebensliede seine Weise,
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Die das Maß der Ruhe, wie dem Fleiße
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Durch den Mittler, unsern Geist, bestimmt?

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Die, wenn uns des Lebens Leere tötet,
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Magisch uns die welken Schläfe rötet,
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Uns mit Hoffnungen das Herz verjüngt,
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Die den Dulder, den der Sturm zertrümmert,
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Den sein fernes Ithaka bekümmert,
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In Alcinous Gefilde bringt?

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Kennst du sie, die uns mit Lorbeerkronen,
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Mit der Freude beßrer Regionen,
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Ehe wir zu Grabe gehn, vergilt,
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Die der Liebe göttlichstes Verlangen,
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Die das Schönste, was wir angefangen,
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Mühelos im Augenblick erfüllt?

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Die der Kindheit Wiederkehr beschleunigt,
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Die den Halbgott, unsern Geist, vereinigt
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Mit den Göttern, die er kühn verstößt,
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Die des Schicksals ehrne Schlüsse mildert,
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Und im Kampfe, wenn das Herz verwildert,
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Uns besänftigend den Harnisch löst?

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Die das Eine, das im Raum der Sterne,
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Das du suchst in aller Zeiten Ferne
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Unter Stürmen, auf verwegner Fahrt,
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Das kein sterblicher Verstand ersonnen,
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Keine, keine Tugend noch gewonnen,
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Die des Friedens goldne Frucht bewahrt?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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