Hymne an die Freundschaft

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Friedrich Hölderlin: Hymne an die Freundschaft (1792)

1
Rings in schwesterlicher Stille
2
Lauscht die blühende Natur;
3
Aus des kühnen Herzens Fülle
4
Tönt des Bundes Stimme nur;
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Leise rauschts im Eichenhaine,
6
Nie gefühlte Lüfte wehn,
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Wo in höhrem Sternenscheine
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Wir das ernste Fest begehn.

9
Ha! in süßem Wohlgefallen
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Säuselt hier der Väter Schar,
11
Abgeschiedne Freunde wallen
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Lächelnd um den Moosaltar;
13
Und der hellen Tyndariden
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Brüderliches Auge lacht
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Froh wie wir in deinem Frieden,
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Schöne feierliche Nacht!

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Heiliger und reiner tönte
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Dieser Herzen Jubel nie,
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Unter Schwur und Kuß verschönte,
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Freundschaft! deine Milde sie;
21
Zürne nicht der Wonne Zähren!
22
Laß, o laß uns huldigen,
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Schönste von Olympos Heeren,
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Krone der Unsterblichen!

25
Als der Geister Wunsch gelungen,
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Und gereift die Stunde war,
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Da, von Ares Arm umschlungen,
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Cytherea dich gebar,
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Als die Heldin ohne Tadel
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Nun der Erde Sohn so nah
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Staunend in des Vaters Adel,
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In der Mutter Gürtel sah,

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Da begann zu Sonnenhöhen
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Nie versuchten Adlerflug,
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Was von Göttern ausersehen
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Kraft und Lieb im Busen trug;
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Stolzer hub des Sieges Flügel,
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Rosiger der Friede sich;
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Jauchzend um die Blumenhügel
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Grüßte Gram und Sorge dich.

41
Blutend trug die Siegesfahne,
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In der Stürme Donner schwamm
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Durch die wilden Ozeane,
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Wer aus deinem Schoße kam;
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Deiner Riesen Wehre klangen
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Bis hinab zur alten Nacht –
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Ha! des Orkus Tore sprangen,
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Zitternd deiner Zaubermacht!

49
Trunken, wie von Hebes Schale,
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Kos'ten sie in süßer Rast
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Am ersehnten Opfermahle
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Nach der schwülen Tage Last;
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Göttern glich der Freunde Rächer,
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Wenn die stolze Zähre sank
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In den vollen Labebecher,
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Den er seinem Siege trank.

57
Liebend stieg die Muse nieder,
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Als sie in Arkadia
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Dich im göttlichen Gefieder
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Schwebend um die Schäfer sah;
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Mutter! Herz und Lippe brannten,
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Feierten im Liede dich,
63
Und am süßen Laute kannten
64
Jubelnd deine Söhne sich. –

65
Ha! in deinem Schoße schwindet
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Jede Sorg und fremde Lust;
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Nur in deinem Himmel findet
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Sättigung die wilde Brust;
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Frommen Kindersinnes wiegen
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Sich im Schoße der Natur –
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Über Stolz und Lüge siegen
72
Deine Auserwählten nur. –

73
Dank, o milde Segensrechte!
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Für die Wonn und Heiligkeit,
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Für der hohen Bundesnächte
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Süße kühne Trunkenheit;
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Für des Trostes Melodien,
78
Für der Hoffnung Labetrank,
79
Für die tausend Liebesmühen
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Weinenden entflammten Dank!

81
Siehe, Frücht und Äste fallen,
82
Felsen stürzt der Zeitenfluß;
83
Freundlich winkt zu Minos Hallen
84
Bald der stille Genius;
85
Doch es lebe, was hienieden
86
Schönes, Göttliches verblüht,
87
Hier, o Brüder! Tyndariden!
88
Wo die reine Flamme glüht. –

89
Ha! die frohen Geister ringen
90
Zur Unendlichkeit hinan,
91
Tiefer ahndungsvoller dringen
92
Wir in diesen Ozean!
93
Hin zu deiner Wonne schweben
94
Wir aus Sturm und Dämmerung,
95
Du, der Myriaden Leben
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Heilig Ziel! Vereinigung!

97
Wo in seiner Siegesfeier
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Götterlust der Geist genießt,
99
Süßer, heiliger und freier
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Seel in Seele sich ergießt,
101
Wo ins Meer die Ströme rinnen,
102
Singen bei der Pole Klang
103
Wir der Geisterköniginnen
104
Schönster einst Triumphgesang.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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