Ende einer Gedichtfolge

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Friedrich Hölderlin: Ende einer Gedichtfolge (1789)

1
Erscholl von jeder Heide, jedem Hügel
2
Das Schreckengelärm gewappneter Wütriche her.
3
Doch wenig Stunden sann um Mitternacht der Held,
4
Vollbrachte mit stürmender Hand, was er sann, am geflügelten Tag,
5
Und ha! wo war er nun, der Fremdlinge Grimm?
6
Die Racheblicke, wie so bange rollten sie?
7
Der Rosse Schnauben hatt in Röcheln sich gewandelt,
8
Zerrissen moderten im Blut des Flüchtlings
9
Die güldenen Paniere, Raben krächzten
10
Im leichenvollen Hinterhalt, und Angstgeheul
11
Erscholl von jeder Heide, jedem Hügel.
12
Verschlungen hatte sie der größre Strom.

13
Der Tag des Weltgerichts – auch er! auch er!

14
Wird zeugen einst im Angesicht der Völker.
15
So spricht Jehova: Herrlich sei dein Lohn!
16
Sie schändeten zum blutbefleckten Greul
17
Die Fahne meines Reichs – die Lehre meines Mundes
18
Zur Menschenwürgerin, zur Brudermörderin.
19
Mit Henkersfäusten trieben sie vom Vaterland
20
Die Kinder meines Luthers, die das Joch des Wahns
21
Vom Nacken schüttelten, in Todeswüsten hin.
22
Da trocknet' ihre Tränen Gustav ab,
23
Der Fromme baute Häuser meinen Irrenden.
24
Dein Lohn sei herrlich! du Gesegneter!
25
So spricht Jehova, und die Myriaden
26
Versammleter erheben ihre Häupter
27
Und breiten ihre Arme gegen Gustav aus,
28
Und jubeln: Amen! herrlich ist sein Lohn.

29
O Gustav! Gustav! hast du dein Ohr geneigt
30
Den Zeugen deiner Größe – du Herrlicher!
31
Und zürnst du nicht, und lächelst du im
32
Arme der Helden zu uns herunter?

33
Verzeih, du Liebling Gottes! ich liebe dich! –
34
Wann Donner rollen über mein trautes Tal,
35
So denk ich dein, und wenn der Obstbaum
36
Freundlich den Apfel herunterreichet,

37
So nenn ich deinen Namen. Denn ringsum sieht
38
Ein Denkmal deiner Taten mein staunend Aug.
39
Und ha! wie wird dies Auge staunen,
40
Führet mich förder hinauf zum Tempel,

41
Zum höchsten Tempel seiner Erhabenheit
42
Mit wolkenlosem Mut die Begeisterung –
43
Hinauf, wo es dem Tändler schwindelt,
44
Wo der Gebrechliche nie hinanklimmt!

45
Umdonnert, Meereswogen! die einsame
46
Gewagte Bahn! euch bebet die Saite nicht!
47
Ertürmt euch, Felsen! ihr ermüdet
48
Nicht den geflügelten Fuß des Sängers.

49
Nur daß ich nie der ernsten Bewundrung Lied
50
Mit Tand entweihe – ferne von Gleisnerslob!
51
Und seiner gottgesandten Taten
52
Keine vergesse – denn dies ist Lästrung!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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