An Thills Grab

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Friedrich Hölderlin: An Thills Grab (1789)

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Der Leichenreihen wandelte still hinan,
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Und Fackelnschimmer schien auf des Teuren Sarg,
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Und du, geliebte, gute Mutter!
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Schautest entseelt aus der Jammerhütte,

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Als ich, ein schwacher, stammelnder Knabe noch,
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O Vater! lieber Seliger! dich verlor,
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Da fühlt ichs nicht, was du mir warst, doch
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Mißte dich bald der verlaßne Waise.

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So weint ich leisen Knabengefühles schon,
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Der Wehmut Träne über dein traurig Los,
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Doch jetzt, o Thill! jetzt fühl ichs ernster,
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Schmerzender jetzt über deinem Hügel,

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Was hier im Grab den Redlichen Suevias
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Verwest, den himmelnahenden Einsamen.
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Und, o mein Thill ! du ließst sie Waisen?
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Eiltest so frühe dahin, du Guter?

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Ihr stille Schatten seines Holunderbaums!
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Verbergt mich, daß kein Spötter die Tränen sieht
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Und lacht, wann ich geschmiegt an seinen
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Hügel die bebenden Wangen trockne.

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O wohl dir! wohl dir, Guter! du schläfst so sanft
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Im stillen Schatten deines Holunderbaums.
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Dein Monument ist er, und deine
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Lieder bewahren des Dorfes Greisen.

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O daß auch mich dein Hügel umschattete
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Und Hand in Hand wir schliefen, bis Ernte wird,
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Da schielten keine Vorurteile,
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Lachte kein Affe des stillen Pilgers.

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O Thill! Ich zage, denn er ist dornenvoll,
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Und noch so fern, der Pfad zur Vollkommenheit;
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Die Starken beugen ja ihr Haupt, wie
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Mag ihn erkämpfen der schwache Jüngling?

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Doch nein! ich wags! es streitet zur Seite ja
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Ein felsentreuer, mutiger Bruder mir.
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O freut euch, selige Gebeine!
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Über dem Namen! Es ist – mein Neuffer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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