An die Vollendung

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Friedrich Hölderlin: An die Vollendung (1788)

1
Vollendung! Vollendung! –
2
O du der Geister heiliges Ziel!
3
Wann werd ich siegestrunken
4
Dich umfahen und ewig ruhn?

5
Und frei und groß
6
Entgegenlächeln der Heerschar,
7
Die zahllos aus den Welten
8
In den Schoß dir strömt?

9
Ach ferne, ferne von dir!
10
Mein göttlichster, schönster Gedanke
11
War, wie der Welten
12
Fernstes Ende, ferne von dir!

13
Und fleugt auf des Sturmes Flügeln
14
Aeonen lang die Liebe dir zu,
15
Noch schmachtet sie ferne von dir,
16
Ach! ferne, ferne von dir!

17
Doch kühner gewaltiger
18
Unaufhaltbarer immer
19
Fleugt durch Myriaden Aeonen
20
Dir zu die glühende Liebe.

21
Voll hoher Einfalt,
22
Einfältig still und groß
23
Rangen des Siegs gewiß,
24
Rangen dir zu die Väter.

25
Ihre Hülle verschlang die Zeit,
26
Verwest, zerstreut ist der Staub,
27
Doch rang des Sieges gewiß
28
Der Funke Gottes, ihr Geist, dir zu.

29
Sind sie eingegangen zu dir,
30
Die da lebten im Anbeginn?
31
Ruhen, ruhen sie nun,
32
Die frommen Väter?

33
Vollendung! Vollendung!
34
Der Geister heiliges Ziel!
35
Wann werd ich siegestrunken
36
Dich umfahen und ewig ruhn?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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