Männerjubel

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Friedrich Hölderlin: Männerjubel (1788)

1
Erhabne Tochter Gottes! Gerechtigkeit,
2
Die du den Dreimalheilgen von Anbeginn
3
Umstrahltest, und umstrahlen wirst am
4
Tage der ernsten Gerichtsposaune.

5
Und du, o Freiheit! heiliger Überrest
6
Aus Edens Tagen! Perle der Redlichen!
7
In deren Halle sich der Völker
8
Kronen begrüßen, und Taten schwören.

9
Und du, der Geisterkräfte gewaltigste!
10
Du löwenstolze! Liebe des Vaterlands!
11
Die du auf Mordgerüsten lächelst,
12
Und in dem Blute gewälzt, noch siegest.

13
Wer wagts, zu türmen Riesengebirge sich,
14
Zu schaun den Anfang eurer Erhabenheit?
15
Wer gründt der Tiefen tiefste aus, nach
16
Euch sich zu beugen, vor euch, Erhabne?

17
Und wir – o tönet, tönet den Jubel nach,
18
Ihr ferne Glanzgefilde des Uranus!
19
O beugt euch nieder, Orione!
20
Beugt euch! wir sind der Erhabnen Söhne.

21
Es glimmt in uns ein Funke der Göttlichen;
22
Und diesen Funken soll aus der Männerbrust
23
Der Hölle Macht uns nicht entreißen!
24
Hört es, Despotengerichte, hört es!

25
Ihn senkte, seine Welt zu verherrlichen,
26
Der Gott der Götter Adams Geschlecht ins Herz,
27
Des preisen wir den Gott der Götter!
28
Hört es, ihr Knechte des Lügners, hört es!

29
Was überwiegt die Wonne, der Herrlichen,
30
Der Töchter Gottes würdiger Sohn zu sein?
31
Den Stolz, in ihrem Heiligtum zu
32
Wandeln, zu dulden um ihretwillen?

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Und lärmten gleich dem hadernden Ozean
34
Despotenflüche geifernd auf uns herab,
35
Vergiftete das Schnauben ihrer
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Rache, wie Syrias Abendlüfte –

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Und dräute tausendarmigter Pöbel, uns
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Zu würgen, tausendzüngigte Pfaffenwut
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Mit Bann den Neuerern; es lachen
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Ihrer die Söhne der Töchter Gottes.

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Und würden unsre Kinder vom Schwert verfolgt,
42
Zu heulen über uns in der Finsternis
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Des Wolfs, und mit dem Löwen seine
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Beute zu teilen, bei Kannibalen

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Sich Väter, und im Sande von Afrika
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Das Gastrecht aufzusuchen, sie dulden gern,
47
Verlachen eure Blutgerüste,
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Folgen den Vätern zu Schwert und Folter.

49
Drum tönet, tönet, tönet den Jubel nach,
50
Ihr ferne Glanzgefilde des Uranus,
51
Drum beugt euch nieder, Orione!
52
Beugt euch! wir sind der Erhabnen Söhne.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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