Die Demut

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Friedrich Hölderlin: Die Demut (1788)

1
Hört, größre, edlere der Schwabensöhne!
2
Die ihr vor keinem Dominiksgesicht
3
Euch krümmet, welchen keine Dirnenträne
4
Das winzige, geschwächte Herzchen bricht.

5
Hört, größre, edlere der Schwabensöhne!
6
In welchen noch das Kleinod Freiheit pocht,
7
Die ihr euch keines reichen Ahnherrn Miene,
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Und keiner Fürstenlaune unterjocht.

9
Geschlecht von oben! Vaterlandeskronen!
10
Nur euch bewahre Gott vor Übermut!
11
O! Brüder! der Gedanke soll uns lohnen,
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In Hermann brauste kein Despotenblut.

13
Beweinenswürdig ist des Stolzen Ende,
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Wann er die Grube seiner Größe gräbt,
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Doch fürchterlich sind seine Henkershände,
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Wann er sich glücklich über andre hebt.

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Viel sind und schön des stillen Mannes Freuden,
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Und stürmten auch auf ihn der Leiden viel,
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Er blickt gen Himmel unter seinen Leiden,
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Beneidet nie des Lachers Possenspiel.

21
Sein feurigster, sein erster Wunsch auf Erden
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Ist, allen, allen Menschen nützlich sein,
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Und wann sie froh durch seine Taten werden,
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Dann will der edle ihres Danks sich freun.

25
O! Demut, Demut! laß uns all dich lieben,
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Du bists, die uns zu einem Bund vereint,
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In welchem gute Herzen nie sich trüben,
28
In welchem nie bedrängte Unschuld weint.

29
Drum größre, edlere der Schwabensöhne!
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Laßt Demut, Demut euer erstes sein,
31
Wie sehr das Herz nach Außenglanz sich sehne,
32
Laßt Demut, Demut euer erstes sein.

33
Vor allen, welchen Gott ein Herz gegeben,
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Das groß und königlich, und feurig ist,
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Die in Gefahren nur vor Freude beben,
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Für Tugend selbst auf einem Blutgerüst,

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Vor allen, allen, solche Schwabensöhne,
38
O solche, Demut, solche führe du
39
Aus jeder bäurischstolzen Narrenbühne
40
Den stillen Reihen jenes Bundes zu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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