Auf einer Heide geschrieben

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Friedrich Hölderlin: Auf einer Heide geschrieben (1787)

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Wohl mir! daß ich den Schwarm der Toren nimmer erblicke,
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Daß jetzt unumwölkter der Blick zu den Lüften emporschaut,
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Freier atmet die Brust dann in den Mauren des Elends,
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Und den Winkeln des Trugs. O! schöne, selige Stunde!
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Wie getrennte Geliebte nach langentbehrter Umarmung
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In die Arme sich stürzen, so eilt ich herauf auf die Heide,
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Mir ein Fest zu bereiten auf meiner einsamen Heide.
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Und ich habe sie wieder gefunden, die stille Freuden
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Alle wieder gefunden, und meine schattigten Eichen
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Stehn noch eben so königlich da, umdämmern die Heide
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Noch in alten stattlichen Reihn, die schattigten Eichen.
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Jedesmal wandelt an meinen tausendjährigen Eichen
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Mit entblößtem Haupt der Jäger vorüber, dann also
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Heischet die ländliche Sage; denn unter den stattlichen Reihen
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Schlummern schon lange gefallene Helden der eisernen Vorzeit.
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Aber horch! was rauschet herauf im schwarzen Gebüsche?
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Bleibe ferne! Störer des Sängers! – aber siehe,
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Siehe! – wie herrlich! wie groß! ein hochgeweihetes Hirschheer
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Wandelt langsam vorüber – hinab nach der Quelle des Tales. –
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O! jetzt kenn ich mich wieder, der menschenhassende Trübsinn
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Ist so ganz, so ganz aus meinem Herzen verschwunden.
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Wär ich doch ewig fern von diesen Mauren des Elends,
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Diesen Mauren des Trugs! – Es blinken der Riesenpaläste
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Schimmernde Dächer herauf, und die Spitzen der alternden Türme,
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Wo so einzeln stehn die Buchen und Eichen; es tönet
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Dumpf vom Tale herauf das höfische Wagengerassel
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Und der Huf der prangenden Rosse – – Höflinge! bleibet,
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Bleibet immerhin in eurem Wagengerassel,
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Bückt euch tief auf den Narrenbühnen der Riesenpaläste,
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Bleibet immerhin! – Und ihr, ihr Edlere, kommet!
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Edle Greise und Männer, und edle Jünglinge, kommet!
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Laßt uns Hütten baun – des echten germanischen Mannsinns
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Und der Freundschaft Hütten auf meiner einsamen Heide.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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