Klagen

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Friedrich Hölderlin: Klagen (1787)

1
Stella! ach! wir leiden viel! wann nur das Grab –
2
Komme! komme, kühles Grab! nimm uns beide!
3
Siehe Stellas Tränen, komme,
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Kühles, ruhiges Grab.

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O ihr Menschen! o so gerne wollt ich euch
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Alle lieben, warm und treu! o ihr Menschen,
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Sehet, diese Stella haßt ihr!
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Gott vergebe es euch!

9
Reißt sie nur hinweg von mir! Quäler! ihr!
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Ich will schweigen – Gott – Gott wird reden.
11
Lebe wohl – ich sterbe bald – O
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Stella! Stella, vergiß mich.

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Viele Wonnenaugenblicke gabst du mir –
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Vater, Vater! bebt ich oft auf zum Ewgen,
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Sieh, ich liebe sie so rein, dein Auge,
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Vater, sieht ja mein Herz.

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Stella! weinen werd ich bis ans Grab um dich,
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Weinen, Stella, du um mich – weinen! aber
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Am Gerichtstag will ichs sagen
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Vorm versammelten Erdkreis:

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Diese sinds, die Stella quälten – aber nein!
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Gott im Himmel! nein! vergib diesen Quälern.
23
Laß mich sterben – oder tragen
24
Diese Leiden – mein Gott.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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