Ein Urweltsmondkalb, ein Ichthyosaurus

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Otto Roquette: Ein Urweltsmondkalb, ein Ichthyosaurus Titel entspricht 1. Vers(1860)

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Ein Urweltsmondkalb, ein Ichthyosaurus,
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Ein Ungeheu'r vom Stamme der Fossilien,
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Und wäre das Skelet des Minotaurus
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Zu finden, oder andrer Mischfamilien
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Entschlaf'ne Vettern, etwa ein Centaurus,
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Auch wohl die Haut herkulischer Reptilien:
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Das Alles wird und würde Modesache
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Für Freund' und Gönner vom Gelehrtenfache.

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Giebt's in der Wissenschaft gelehrte Moden,
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So bringt in unermüdlichem Erneuen
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Sie Jahr und Tag auf all und jedem Boden.
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An stetem Wechsel will die Welt sich freuen,
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Und eilt, das Aeltre nur hinwegzuroden,
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Um Allerältestes zu wiederkäuen.
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Was fremd erscheint in günst'ger Zeitenstunde,
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Macht auf der Neugier Straßen schnell die Runde.

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Was alles ausersehn zum Modemachen,
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Und wie das Modemachen gar gemacht wird,
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O lustig Schauspiel! Oft zuerst mit Lachen
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Empfängt man, was Gemeingut über Nacht wird,
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Bis plötzlich es, nach kurzem Glanz und Prachen
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Geworfen in des Trödels tiefsten Schacht wird.
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Auch auf des Ruhmes Bahn die Tageswunder
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Man hebt, verwöhnt sie, wirft sie weg als Plunder.

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Es ist das Loos des Künstlers auch und Dichters,
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Des besten oft. Er theilt das Gunstempfangen
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Mit jedem Troßknecht seichtesten Gelichters,
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Der schnell zur Hand für jegliches Verlangen,
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Und keck verlacht den Spruch des ernsten Richters.
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Der Beste, dem sie heut noch Hymnen sangen,
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Hört morgen jauchzen die entzückten Horden,
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Ein Popanz ist ihr Liebling schnell geworden.

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Das nie Veraltende war selten modisch.
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Wenn auch begrüßt von Vielen, und verstanden,
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Geht's durch die Welt doch einsam, episodisch,
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Wo Wirrwarr sich und Ungeschmack verbanden.
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Es lautet nur dem engsten Kreis melodisch,
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Ein Klang, in dem die Besten nur sich fanden.
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Die Welt verlangt Trompeten, Paukendröhnen,
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Um gläubig zu genießen und zu krönen.

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Was niemals Mode war, das Schöne, Gute,
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Ging ruhig wachsend doch durch alle Zeiten,
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Indeß im Mummenschanz der Weltminute,
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Die flücht'gen Bildungen vorüber gleiten,
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Und schwinden nach gebüßtem Uebermuthe.
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Was unzerstörbar lebt für Ewigkeiten,
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Erscheint, wie wenn nach bunten Flackerfeuern
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Sich Sterne rein und groß dem Blick erneuern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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