Wen Trieb und Fleiß zu jener Stufe trugen

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Otto Roquette: Wen Trieb und Fleiß zu jener Stufe trugen Titel entspricht 1. Vers(1860)

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Wen Trieb und Fleiß zu jener Stufe trugen,
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Wo Stoff und Form sich beugen unwillkürlich,
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Der baut sein Kunstgebild in festen Fugen,
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Auf deren Grund kein Höchstes unausführlich.
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Und die mit Blicken staunend überschlugen
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Des Ganzen Ordnung, finden nur gebührlich
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Den Schmuck und Schimmer, der bis zur Verschwendung
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Das Werk umgiebt in festlicher Vollendung.

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Am schwersten wird des Dichters Form die Massen
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Ergreifen, die doch sonst so leicht bezwingbar,
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Wenn Hörer auf ein Tongeriesel passen,
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Das nur des Geigers Zauberhand erschwingbar;
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Wenn Stimmen trillernd sich vernehmen lassen
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In einem Kreuzgewirr, das kaum noch singbar,
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Dann zuckt's und kribbelt's in den Händen Allen,
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Dem wohlverdienten Beifall beizufallen.

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Sie nennen's Virtuosität, und schelten,
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Und loben auch, wenn Einer Virtuos ist.
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Man schelte den, der sonst in allen Welten
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Nichts ist, wenn er die Prunkeffekte los ist.
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Doch lassen gern das Krauseste wir gelten,
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Wenn unterm Schmuck der Inhalt schön und groß ist.
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Um freies Spiel hat nie umsonst geworben
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Die Kunst, bei der das Können unverdorben.

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Der Dichter freilich, der sich in den Kopf setzt
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Mit Form und Reimspiel sich einmal zu putzen,
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Hat Wenige nur für sich. Jeder Tropf setzt
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Sich gleich parat, den Putz ihm aufzumutzen,
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Und sagt, wer an den Rock den simpeln Knopf setzt
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Braucht nicht mit Nestelband das Kleid zu stutzen.
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Der Kenner nur folgt mit geheimer Spürung,
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Vielleicht vergnügt, dem Gang der Formenführung.

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Denn stets mit der gewohnten Reime Ticktack
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Eintönig klingt zu oft der Strophen Uhrwerk.
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Recht hat der Dichter, wenn in lust'gem Tricktrack
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Er spielend zwingt des spröden Reims Naturwerk.
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Wer kühnlich wagt, der fährt auch wohl im Zickzack,
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Und bringt zum Ziele sein poetisch Fuhrwerk.
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So widm' ich Dir, o Freund, dies Bündel Schnickschnack,
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Der formend Du so viel gebracht in Schick, Schack!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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