Das war eine wilde Reise

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Otto Roquette: Das war eine wilde Reise Titel entspricht 1. Vers(1860)

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Das war eine wilde Reise,
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Da wir froh nach Burschenweise
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Stiegen auf zum Brockenhaupt!
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Ueberall in deutschen Landen
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Ward ein hohes Fest gefeiert:
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Goethefest – gespielt, geleiert.
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Doch nach andrer Feier standen
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Uns die Sinne, und wir fanden
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Uns ein Fest, so recht romantisch,
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Nicht voll Reden, nicht pedantisch,
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Nicht so professorisch kühl,
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Nein, so recht im Blocksbergstyl.

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Lustig schien die Herbstessonne
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Ueber unsre Wanderwonne,
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Köstlich war die Luft, und klar.
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Freudig schallten Wandersänge
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Durch der hohen Felsenmassen
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Ungebahnte, steile Straßen.
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Doch die schroffen Bergeshänge
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Stuften sich im Felsgedränge
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Immer höher, immer grauer,
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Und ein kühler Nebelschauer
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Zauberte durch Fichten schwarz
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Um uns her den echten Harz.

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Denn des Blocksbergs wilde Trosse
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Wollten heut zu Fuß und Rosse
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Feiern auch ihr Goethefest.
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Bang die Sonne sich verstecket,
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Und schon läßt der Sturm sich hören
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Dumpf in des Gebirges Föhren,
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Und sein Brausen ruft und wecket
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Schnell das Heer. Und kreischend strecket
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Sich begrüßend, aus der Lauer
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All der wilde Koboldschauer,
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Springt und tanzt mit Teufelssang
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Wild von Fels zu Felsenhang.

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Und nun weiter, immer weiter,
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Auf des Brockens Felsenleiter
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Schrillt und brüllt, und jauchzt und stürmt's
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Angstvoll fliehn der Vögel Schaaren,
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Das Gewild im schwarzen Forste
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Flieht herab vom Waldeshorste.
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Tannen mit zerzausten Haaren
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Stürzen krachend hin zu Paaren.
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Schwarz umwölket droht der Himmel
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Ueber dem Naturgetümmel,
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Und vom Donner mit Getos
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Riß der Wiederhall sich los.

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Halt! wo ist der Weg? Verloren!
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Auf die Lust der Erdenthoren
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Legt der Teufel seinen Schwanz.
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Welch ein Schrecken, welch ein Grausen
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Antwort durch die finstern Lüfte
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Schreien höhnend alle Klüfte,
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Und wir stehn im Sturmesbrausen
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In des Festes tollstem Hausen.
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Und auf Besen, Ziegenböcken,
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Hexentanz in allen Ecken,
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Regenguß und Nebelnacht –
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Weh, wir sind im Höllenschacht!

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Wohin wenden? Wohin schreiten?
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Denn kein Weg mehr will uns leiten!
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Hurtig, muthig, grade aus!
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Aber jäher nur verdichten
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Sich die Felsen. Auf, und klettert,
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Ob auch Erd' und Himmel wettert!
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Seht, schon hellen sich die Fichten,
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Nieder gehn die Felsenschichten.
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Aber weh! da lauern Sümpfe,
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Und es bleiben Schuh und Strümpfe
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Stecken in dem Teufelsschlamm,
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Jedem Schritt ein Pfuhl und Damm!

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Zaubermeister, Vater Goethe,
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Hilf uns bannen unsre Nöthe!
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Ach, so flehten wir im Chor.
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Willst du, daß wir sterben sollen?
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Kamen ja zu deinem Feste,
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Weih'n dir unsrer Lieder beste! –
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Horch! da schwieg des Sturmes Grollen,
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Und die Nebel seitwärts quollen,
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Und ein Tagesblick bot Rettung
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Uns aus unsrer Sumpfesbettung,
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Jubelruf: da Leid ist aus,
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Droben winkt da Brockenhaus!

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Rechts und links, und tief und oben,
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Ließen wir den Sturm nun toben,
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Heimlich warm war Stub' und Haus.
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Hei, wie perlte neues Feuer
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Jetzt der Wein uns in die Glieder,
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Weckte tausend Jubellieder,
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Während draußen, nicht geheuer
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Schnob die Nacht um das Gemäuer!
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Vater Goethe, du Befreier!
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Sahst du unsre lustge Feier?
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Jung auch warst du niemals kühl
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Für ein Fest im Blocksbergstyl!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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