Die Wucherer

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Die Wucherer (1788)

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Im großen Dorfe
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Geht's um.
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Sobald der Wächter Zwölfe ruft,
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Rumort's daher, saust in der Luft,
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Und rast im Dorf herum.

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Zwölf Geister heulen fürchterlich:
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»o weh!
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Der Fluch der Sünde macht uns bang,
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Verworfen hat uns – ach wie lang!
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Der Rächer in der Höh'.«

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Da schlingt das Weib sich um den Mann
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Herum.
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Die Kindlein schlüpfen unter's Bett,
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Und alles ist zu Haberstätt
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Vor Todesängsten stumm.

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Wie betet da das ganze Dorf
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So heiß:
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Wir arme Bauern bitten dich,
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Gott, treibe von uns gnädiglich
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Dies höllische Geschmeiß!

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Der Pfarrer, der im Swedenborg
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Studirt,
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Und als ein tiefgelehrter Mann
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Mit allen Geistern sprechen kann,
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Wagt es, und exorzirt.

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Vom Grabe eines Frommen sprach
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Der Mann:
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»ihr Geister aus dem Schattenreich,
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Im Namen Gottes frag' ich euch:
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Sagt, was habt ihr gethan?«

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Da kam ein Geist, wie Säulenrauch
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Von Torf.
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Dem Pfarrer bebt das Herz wie Sulz.
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Hohl sprach der Geist: »Ich war der
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Einmal in diesem Dorf.

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Dies war ein
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Und der
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Sind
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Sind wir zwölf Wucherer.

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Auf unsern Böden lag die Frucht
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Wie Sand.
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Oft gab der Himmel Fruchtbarkeit;
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Doch wir erschufen theure Zeit
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Gar weit umher im Land.

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Denn Korn und Wein verschlossen wir
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Mit Fleiß.
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Und brach herein die Hungersnoth
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Verkauften wir erst Wein und Brod
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Um teuflisch hohen Preis.

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Wir haben uns mit Armenblut
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Genährt.
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Wir haben der Bedrängten Schrei,
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Geblendet von der Täuscherei
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Des Wuchers, nicht gehört.

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Wir starben, Geister peitschten uns
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Hinab.
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Dreihundert Jahre sind es bald,
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Daß solchen Greuelaufenthalt
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Uns Gottes Rache gab.

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Doch wird vom Fluch einst unser Geist
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Befreit,
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Wenn's hier im Dorf zwölf Bauern gibt,
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Wo jeder Treu' und Glauben liebt,
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Und schwarzen Wucher scheut.

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O weh, es schaurt der Morgen schon;
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Fort, fort!
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O weh, noch werden wir nicht los.
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Des Jahres Segen ist zu groß,
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Hinab an unsern Ort!«

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Husch, rasselt's fort. Der Pfarrer fiel
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Aufs Knie,
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Und bat: Verwirf uns nicht im Grimm,
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Die Bauern sind doch gar zu schlimm;
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Ach Herr bekehre sie!

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Du gabst uns, Gott! ein gutes Jahr;
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Doch laurt
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Der Wuchrer schon, wie er die Frucht
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In Scheunen zu verbergen sucht,
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Und unsern Wein vermaurt.

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Verschlossen ist, o Wucherer,
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Dein Herz.
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Doch harre, Sünder, bald zerbricht
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Es Gottes Donner am Gericht
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Mit unnennbarem Schmerz.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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