Deutsche Freiheit

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Deutsche Freiheit (1786)

1
Da lüpfe mir, heilige Freiheit,
2
Die klirrende Fessel am Arme,
3
Daß ich stürm' in die Saite,
4
Und singe dein Lob.

5
Aber, wo find' ich dich, heilige Freiheit,
6
O du, des Himmels Erstgeborne? –
7
Könnte Geschrei dich wecken, so schrie ich,
8
Daß die Sterne wankten.

9
Daß die Erd' unter mir dröhnte,
10
Daß gespaltene Felsen
11
Vor dein Heiligthum rollten
12
Und seine Pforte sprengten.

13
Konnten Thränen dich rühren;
14
Ach, du kämst zum Fesselbeladenen,
15
Dem schon neun schreckliche Jahre
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Zährenfeu'r die Wange sengt.

17
Aber hier bist du nicht, wo Gallioten,
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Wie Vieh an Karren gespannt,
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Mit Ketten vorüberrasseln; –
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Hier, Göttin, bist du nicht,

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Wo die starre Verzweiflung
22
Am Eisengitter schwindelt;
23
Wo des Langgefangnen Flüche
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Fürchterlich im Felsenbauche hallen.

25
Aber, wo bist du?
26
Gottes Vertraute, wo bist du?
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Ach, daß du mir lüpftest die Fessel;
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So säng' ich, Göttin, dein Lob.

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Doch weinend, wie der Siechling singt,
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Von der Gesundheit goldnen Gabe,
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Wie der einsame Mann von der fernen Geliebten
32
So sing' ich, Göttin, dein Lob.

33
Hast du verlassen Germania's Hain,
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Wo du unter dem Schilde des Monds
35
Auf Knochen erschlagener Römer
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Deinen Thron erthürmtest?

37
Wo du mit deinem aufgesäugten Sohne
38
Und die Aeser der Freiheitshasser
39
Den Wölfen vorwarfst zum Fraße?

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Laut auf muß ich weinen,
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Denn ach, du weiltest in Deutschlands Hainen
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Der seligen Jahre
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Nur wenige.

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Dich scheuchte ein scheußliches Ungeheu'r,
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Schreckbarer, als des Nilus Thier,
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Wenn es mit gestorbnen Fischen
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Und faulenden Krebsen in den Schuppen

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Ans Ufer springt und die Lüfte verpestet.
49
Ja so ein Ungeheuer
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Entwand sich dem Nebelschlunde der Hölle,
51
Und entweihte Germania's Hain.

52
Zwei Drachenhäupter hatte das Unthier;
53
Eine Krone von Gold, und eine Mütze von Sammet
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Schmückten die Köpfe
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Der Gräu'lgestalt.

56
In Lachen von Blut und versprütztem Marke
57
Wälzte das Unthier sich,
58
Wie
59
Im Schlamme Nilus sich wälzt.

60
In dichtere Eichenschatten
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Entflohen die Söhne
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Und ihre brüllende Klage
63
Scheuchte das Wild.

64
An den Eichenast hing die Telyn der Barde,
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Lehnte sich an den Moosstamm und starb.
66
Da hauchte sein Geist in die Telyn,
67
Und sie schütterte Sterbgewinsel.

68
In finstern Pagoden thronte die Dummheit,
69
Der Gewaltthat erste Vertraute,
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Lehrte Unsinn vor der gaffenden Menge,
71
Und an der Fessel dorrte des Weisen Arm.

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Heilige Freiheit, verzeih es dem kühneren Frager:
73
Ist sie bald verströmt, die schreckliche Wolkennacht?
74
Vollendet
75
Was

76
Ha, vielleicht ist sie da, göttliche Freiheit,
77
Die heilige Stunde deiner neuen Erscheinung!
78
Schon donnert in Thuiskons Hainen
79
Dein Feldgeschrei:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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