Friedrich der Große

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Friedrich der Große (1786)

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Als ich ein Knabe noch war
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Und
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Ueber den Erdkreis scholl;
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Da weint' ich vor Freude über die Größe des Mannes,
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Und die schimmernde Thräne galt für Gesang.

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Als ich ein Jüngling ward
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Und
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Ueber den Erdkreis immer mächtiger scholl!
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Da nahm ich ungestüm die goldne Harfe,
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Dreinzustürmen Friedrichs Lob.

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Doch herunter vom Sonnenberge
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Hört ich seiner Barden Gesang.
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Hörte
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Mit der Harf' ins Blut stürzte;
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Hörte
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Der des Liedes Feuerpfeil
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Wie die Grenade wirft.
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Hörte
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Deutschen Biedersinn einigt.
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Auch hört' ich
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Im Dithyrambensturme wirbelt.

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Dich hört ich auch, o
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Wie Honig von den Lippen der Natur
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Träuft. Da verstummt' ich,
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Und mein Verstummen galt für Gesang.
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Aber soll ich immer verstummen?
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Soll der Bewundrung und der Liebe Wogendrang
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Den Busen mir sprengen? Nein, ich wag's!
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Ergreife die Harf' und singe

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Von meines Berges Donnerhöhe
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Ström' auf gesteinten Rücken hinunter
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Du, meines Hymnus Feuerstrom!
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Er stäub' und donnr' im Thale,
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Meines Hymnus Feuerstrom,
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Daß es hören die Völker umher!

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Auf schwerer Prüfungen Nachtpfad
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Führte die Vorsicht den Helden,
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Eh' er drang in der Größe Heiligthum.
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Sah er nicht träufen das Schwert
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Von
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Sah er nicht blinken das Schwert
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Auf seinen eignen Nacken?
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Muthig und furchtlos blieb Er; denn Furcht
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Kannt' er schon als Jüngling nicht.

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In der Muse keuscher Umarmung
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Uebt er sich zu tragen den goldenen Scepter.
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Schon flammt' auf seinem Haupte das Königsdiadem.
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Wie der wolkensammelnde Zeus
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Saß er auf dem Thron und schüttelte Blitze.
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Da floh die Dummheit und der Unsinn
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Und Barbarei die Nachtgefährtin.
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Er selbst war das Urbild der Weisen;
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Riß dir,
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Und predigte Fürsten die Herrscherkunst.
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Die Geister seiner Ahnen stiegen aus der Gruft!
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Mit des Meisters Pinsel zeichnet er sie.
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Sang hohe Gesäng' in die Lyra,
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Und spielte die Flöte Apolls.
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Wie aus der Urnacht Tiefe,
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Von Gott gerufen, Sonnen flockten;
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So stiegen Weise und Künstler empor,
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Und der Städte Fürstin ward

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Von
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Erstickt das Schlangenungeheuer die
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Im ausgesprudelten Giftschaum;
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Und des Bettlers und Prinzen Recht
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Wurde von
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Auf gleicher Schale gewogen.
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Der Vorwelt und der Afterwelt Helden,
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Staunten, als sein Kriegerruf hinabdonnerte
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In des Todes Schattengefild.
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Furchtbar bildet' er sein Heer.
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Erfand nicht
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Der plötzlich aufgerollt,
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Größere Heer' in den Staub wirft?

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Fünfmal donnerte
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Und sein war Silesia, seiner Krone
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Köstlichstes Gestein.

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Seiner Größe Sonnenpunkt kam.
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Habspurgs
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Er dürstete

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Moskoviens
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Dürstete
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Gallia schwung die lichtweiße
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Sie zu tauchen in
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Selbst Wasa's Enkel,
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Und Germania's mächtigste Fürsten und Städte
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Zuckten die Schwerter, ins Schlachtthal zu gießen

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Er aber, der Einzige! warf
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Die erzene Brust entgegen
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Der todtschnaubenden Feindesschaar.
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Achtete ihrer schreckbaren Menge,
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Ihrer Rosse, wie Heuschreckenschwarm,
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Ihrer zuckenden Lanzen,
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Und ihrer metallnen Donnerschlünde nicht.
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Sieben Jahre flog er
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Wie der Rachestrahl Gottes im Wettergewölk
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Unter seiner Feinde
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Schwarzen Schaaren umher.
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Blut und Hirn und Mark floß
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Und spritzt' an seines Rosses Schenkel,
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Leichen dampften und Grabhügel
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Thürmten wie Berge sich.
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In Riesengestalt trat einher der
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Von Wuthgebrüll und Sterbgewinsel begleitet.
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Zwanzig schreckliche Schlachten wurden geschlagen:
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Oft schien das Schicksal an
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Und den Goldsitz zu werfen in Staub.
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Der Rauch von
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Wirbelte mit dem Jammergeächz'
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Der Säuglinge, der Greise,
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Der Schwangern, der Kranken gen Himmel,
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Daß Engel ihr Antlitz bargen und traurten.
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Auch fielen der Helden
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Und im Entfliehen aus ihren Leibern
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Kümmerten sich noch die Geister der Tapfern
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Um
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Aber der Held stand mit der Rache gezücktem Schwert,
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Stand im Geschützdonner, im Säbelgeklirr;
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Achtete nicht des bäumenden Rosses Hufschlag;
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Nicht des Hochverraths Drachenbild,
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Nicht des zaudernden Bundesgenossen,
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Nicht der Acht, die ihn
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Des Fanatismus Höllenwuth Preis gab,
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Ja, so stand er sieben Jahre im Feld des Todes,
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Hehr und frei, und groß, wie ein Gott.
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Es staunten die Völker. Der Helden Geister
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Nickten ihm Beifall vom Wipfel der Eichen.
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Ringsum wichen von ihm die Schaaren der Hasser,
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Und so stand er in seiner Heldenhoheit
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Allein da!
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Auf Hubertusburgs Zinne
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Trat der Gerichtsengel und sprach:
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– Die Donner verstummten.
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Und lenkt' dem Triumph aus.

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Groß und glücklich zu machen sein Volk,
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War
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In des Landes Wunde träuft' er Balsam.
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Palläste stiegen aus Brandstätten empor.
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Dem Landmann gab er weisen Unterricht;
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Die Musen sonnten sich wieder in
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Er selbst war noch immer ihr Liebling.

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»liebt euer Vaterland!
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Sprecht eure Heldensprache stark und rein!
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Schlürft aus der Krystallquelle,
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Draus Griechenland und Latium geschlürft!
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Macht durchs Geäffe weicher Auslandssitte
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Erzne Knochen nicht zu Marzipan!«
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Sprach er zum Biedervolke seines Reichs.
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Doch nie legt' er Europens Wagschal'
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Aus der Rechte. Der Gauen des Helden
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Wurden ohne Schwertschlag immer mehr.
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Weit hinaus in jedes Labyrinth,
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Von der schlausten Staatskunst geflochten,
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Sah seines hohen Auges Wetterstrahl.
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Merkbar war das Wehen seines Odems
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In jeder großen That der Welt.
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Er wog im Verborgnen die Rechte der Fürsten.
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Auch hängt er furchtlos die Wagschal' ans Schwert.
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Da drängten sich Teutoniens Fürsten
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In
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Sinnt auf dem eisernen Lager.
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Sie boten ihm die Hand und nannten ihn
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Den Schützer ihrer grauen Rechte, sprachen:
165
»sei unser Führer,
166
Er wollt's. Da ward der

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Aber immer grauer wird deine Locke,
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Einziger, nie ausgesungner Mann!
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Dein Haupt nickt unter deiner Thaten Gebirglast.
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Bald wirst du liegen in deiner Väter Gruft,
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Und der Unsterblichkeit Ruh' wird über dir säuseln.
172
Voran sind schon deiner Helden viele gegangen:
173
Und
174
Harren deiner im Tempel der Größe.

175
Stark kämpftest du den Kampf des Lebens;
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Stark wirst du kämpfen den Kampf des Todes.
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Deinen Herrschergeist gab dir Gott,
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Erhalten wird dir Gott
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Diesen Herrschergeist.
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Huldlächelnd wird Er deiner Seele sagen:
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»du schwurst im Drange der größten Gefahr,
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Als
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Und Wort hast du gehalten.
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Man bring' ihm die Krone,
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Die leuchtender strahlt,
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Als alle Kronen der Erde!
187
Denn
188
Ist's werth, ewig Kronen zu tragen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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