Die Welle

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Gustav Falke: Die Welle (1884)

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Wie die wolfgehetzten Schafe, ängsten
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Vor dem Nordsturm her die weißen Wellen,
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Oder wie ein Trupp von scheuen Hengsten,
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Die vorm Lasso durch die Steppe schnellen.
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Nein, ein Rudel kommt von bangen Weibern,
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Die, gedrängt um ihre Königin,
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Sie beschützend mit den nackten Leibern,
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Fliehen vor dem kühnen Wiking hin.

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Und in Mitten sie, die angstgejagte,
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Schamgequälte. In den eigenen Reichen,
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Wo der Räuber ihr zu trotzen wagte,
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Eine Flüchtige, sieht sie kein Entweichen.
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Näher des Verhaßten Siegestrompeten,
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Ach, wohin, vor der gewissen Schmach?
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Lachend wird er in den Staub sie treten,
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Und ihr Todbett wird ihm Brautgemach.

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Fort, nur fort! Mit starken Armen teilt sie
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Den betäubten Knäul der Dienerinnen.
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Unbehindert, freiren Fußes, eilt sie
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Weit voraus, als wär noch ein Entrinnen.
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Doch der Jäger läßt das Wild nicht fahren,
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Schon berührt sein heißer Atem sie,
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Und an den entflochtenen feuchten Haaren
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Zerrt er die Erschöpfte in die Knie.

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Schwanken. Stürzen. Zu des Starken Füßen
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Strecken kraftlos sich die schönen Glieder,
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Und er taumelt, seine Gier zu büßen,
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Auf die weichen Liebeskissen nieder.
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Schrei der Scham. Ein purpurn Widerstreben.
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Herrenrecht und Sieg und Flammenbrust.
31
Schande würgt ein königliches Leben,
32
Und der Seufzer stirbt im Ach der Lust.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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