Der Himmel senkte seine grauen Fahnen

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Gustav Falke: Der Himmel senkte seine grauen Fahnen Titel entspricht 1. Vers(1884)

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Der Himmel senkte seine grauen Fahnen
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Tief auf des Parks umflorte Sommerwipfel,
3
Und durch die stillen Schattengänge schwebten
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Der Schwermut dunkle Falter leisen Fluges.
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Die hohen Ulmen weinten und die Birken,
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Die ernsten Koniferen und die Rosen,
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Und durch den feuchten Schleier sah das Haus
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Mit seinen dichtverhängten Fenstern, wie
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Ein müdes, bleiches Menschenangesicht,
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Dem Gram die heißen kranken Lider schloß.

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Des Gartens offnes Gitter lockte mich,
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Und ich trat ein. Die dunklen Ulmen leerten
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Wie fassungslos des Kummers Schalen aus,
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Und auf den Beeten weinten alle Blumen,
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Und von dem Rasen neigten sich die Gräser
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Auf meinen Fuß und netzten ihn mit Tränen.

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Die erzgegossene Sphinx nur an der Treppe
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Sah kalt und unbewegt in diesen Jammer,
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Mit großen, leeren Augen, daß mir grauste.
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Und doch war über ihren schwarzen Leib
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Ein ganzer Zweig voll schwerer gelber Rosen,
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Wie aufgelöst in lauter Leid, gesunken
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Und schüttete der Schmerzen heiligen Tau
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Aus seinen goldenen Kelchen auf sie nieder.

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Und aus der Villa trat ein dürres Männchen,
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Ein alter Herr mit einer Aktenmappe,
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Mit Brille, Regenschirm und Florzylinder.
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Er sah mich fragend an: Was suchst du hier?
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Und zögernd kam es von den schmalen Lippen:
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Sie wissen doch? Die Poesie ist tot.

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Wie Dolchstich traf das Wort, und ich erschrak.
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Und wie ein Schluchzen ging es durch die Bäume,
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Stieg aus den Wurzeln bis in alle Kronen.
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Die Birken weinten und die hohen Ulmen,
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Die Koniferen und die dunklen Rosen,
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Und wie ein Schüttelfrost durchlief es jäh
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Den gramgebeugten gelben Rosenstrauch,
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Der um den Hals der strengen, starren Sphinx
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Die schlanken Arme warf: Fühlst du denn nichts?
40
Fühlst du denn nichts? Die Poesie ist tot.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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