Der Parkteich

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Gustav Falke: Der Parkteich (1884)

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Ein stiller Teich träumt im verlassnen Park,
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Von sonnendunklem Laub dicht überschattet.
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Nur manchmal, wenn der Wind heftiger rauscht,
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Huscht ein verlorner Lichtstrahl übers Wasser,
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Und zittert ein erschrockenes Wellchen auf
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Und hastet ängstlich in das Uferkraut.

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Einsamer Weg führt um den stillen Teich,
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Gleich ihm von hängenden Zweigen überdämmert.
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Halbausgelöschte Spuren sind im Weg
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Vom Regen halb verwaschen und vom Wind
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Sacht überstäubt. Von wem erzählen sie?

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Mir ist, als müßte diese große Stille
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Ein Mädchenlachen plötzlich unterbrechen,
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Aus ihrem grünen Traum aufstören. Wenn der Wind
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Das Laub ein wenig hebt, und in dem Spiegel
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Des dunklen Teichs ein Licht aufblitzt, gedenk ich
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Eines tieflieben, jungen Augenpaares,
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Das ich aus einem stillen Mädchentraum
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Manchmal aufleuchten sehe, und ich meine,
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Es hätte hier wohl einmal vor dem Bild
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Parkstillen Friedens lieblich sich erhellt.

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Ein sanftes Wellchen hebt sich an das Ufer.
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Will es den Platz mir zeigen, wo sie stand?
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Wo sie gesessen? Leise rauscht das Laub.
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Es ist ein Flüstern. Ach, was flüsterts doch?
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Nichts. Nur ein Laub im Wind. Doch in mir wacht
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Ein Holdes auf und sucht nach Worten, findet
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Nur einen lieben Namen, und der schwebt,
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Leise dem Wind vertraut, über den Teich.

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Bewahr den Namen, märchentiefe Stille,
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Bewahre ihn, daß er, ein süßer Laut
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Der lieblichen Natur, hier Heimat hat.
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Und kehrt sie wieder, wandelt einmal noch
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Durch diesen Frieden, der nun doppelt heilig,
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Mag sie, wie ich heut, lauschend stehn und fragen:
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Was flüstert doch das Laub? Und mag erröten
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Und lächeln, meint sie, übern Teich her ruft
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Ein andrer sie mit Namen.

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Leise rauscht
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Das sommerdunkle Laub rings um den Teich.
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Ein Sonnenlächeln zittert auf dem Spiegel.
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Und horch! Ein Mädchenlachen? Nein, Herz, nein.
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Traumstille Einsamkeit nur atmete
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Einmal aus ihrem Frieden selig auf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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