Von weissen Rosen

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Gustav Falke: Von weissen Rosen (1884)

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Das Glück teilt seine Rosen aus,
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Macht auch wohl mal ein Kränzlein draus,
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Aus roten, die gleich Sonnen glühn,
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Aus weißen, die gleich Sternen blühn.
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Der roten viel am Wege stehn,
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Die weißen muß es suchen gehn.

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Viel flinke Hände schickt es aus,
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Hilfsenglein sucht von Haus zu Haus:
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Ein Wunsch, von Herz zu Herz gedacht,
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Ein Seufzer in verschwiegener Nacht,
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Ein Tränlein, oder was es sei,
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Gib acht, flieg nicht daran vorbei!

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Mein Garten ist voll weißen Glücks.
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Das Englein siehts: Wie lieblich! Pflücks
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Für sie, für dies in Blüte steht:
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Ein Morgengruß. Ein Nachtgebet.
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Ein Habdichlieb! Ein Denkedein! –
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Ihm zittern vor Freude die Flügelein.

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Und alle Rosen, die es fand,
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Nimmt es in seine weiße Hand,
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Und wo es nur ein Röslein nahm,
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Sogleich ein anderes wiederkam.
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So findets immer einen Flor
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Für dich erblühter Rosen vor.

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Da macht das Glück die Augen groß,
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Hat einen überreichen Schoß:
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Das langt ja bis zum jüngsten Tag,
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Obs Mädel den erleben mag?
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Und geht es eh zum Himmel ein,
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Bringts lauter Rosen mit hinein!

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Und sinnend siehts, närrischer Traum,
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Es schon vorweg im Himmelsraum;
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Gar lieblich gehts mit seinem Kranz
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Und überstrahlt der Engel Glanz.
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Im Schürzlein hat es, weiße Pracht,
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Ein Häuflein Rosen mitgebracht.

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Als unversehns vor Gott es steht,
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Ein Schreck ihm durch die Glieder geht.
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Die Rosen fallen ihm aus dem Schoß,
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Sogleich geschieht ein Wunder groß:
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Was eben weiße Blüte war,
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Wird eine lichte Bubenschar:

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Ein Morgengruß. Ein Nachtgebet.
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Ein Wunsch, der sich verschämt verrät.
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Ein Tränlein, still in sich hinein.
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Ein Habdichlieb. Ein Denkedein.
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Die knien, ein lieblicher Kranz, mit stumm
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Gefalteten Händchen um sie herum.

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Der Herr, halb lächelnd, halb gerührt,
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Ein seltsam Herzbewegen spürt.
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Und ist kein Laut im Himmel drin,
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Sehn alle auf die Holde hin.
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Die steht verwirrt, verschämt – da fällt
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Das Glück jäh aus der Himmelswelt.

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Mein Englein kommt, sein Schelmblick lacht,
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Mit einer neuen Rosenfracht.
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Kein Märzgestöber fällt so dicht,
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Wie jetzt ein Schnee herniederbricht.
59
Halt! ruft das Glück, weiß überschneit,
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Das reicht für Zeit und Ewigkeit!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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