Der törichte Jäger

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Gustav Falke: Der törichte Jäger (1884)

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Er zog hinaus, das Glück zu fangen,
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Und jagte mit erhitzten Wangen
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Bis in den späten Abendschein.
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Umsonst, es war ein schlimmes Jagen,
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Er kehrte müde und zerschlagen
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In seine warme Hütte ein.

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Da saß in schlichtem Werkelkleide,
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Dem wilden Jäger schier zu Leide,
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Am Herde eine stille Magd.
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Sie reichte ihm den Trunk, den Bissen,
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Und ging zu Hand ihm, dienstbeflissen,
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Wie es dem müden Mann behagt.

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Sie hatte still sich eingefunden
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Und ungefragt, vor Jahr und Stunden,
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Und ihre Treue nahm er hin.
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Heut saß sie blaß zu seinen Füßen,
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Er ließ sie seinen Unmut büßen,
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Das flüchtige Wild lag ihm im Sinn.

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Und muß ich mich zu Tode hetzen,
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Es soll mein heißes Herz ergetzen,
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Rief er und rief sein letztes Wort,
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Und kehrte grollend ihr den Rücken
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Und setzte über Traumesbrücken
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Die Jagd nach seinem Wilde fort.

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Am Morgen, eh die Vögel girrten,
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Erwacht er. Seine Blicke irrten
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Schlaftrunken über Bett und Wand
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Und hin zum Herd. Da stand im Scheine
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Des Feuers, bleich am weißen Steine,
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Die Magd, ihr Bündel in der Hand.

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Wohin? Was treibt dich? – Laß mich wandern,
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Mein Dienst gehört jetzt einem andern,
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Leb wohl, ich kehre nicht zurück.
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Schon stand sie draußen vor der Pforte,
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Er hört nur noch die Abschiedsworte:
36
Vergiß mich nicht, ich war das Glück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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