Konfirmation

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Gustav Falke: Konfirmation (1884)

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Warst eben aus der Kirche gekommen,
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Das junge Herz noch heilig beklommen,
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Aber doch wieder weltlich so weit,
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Daß du mir zur linken Seit
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Brav Brötchen schmaustest am Frühstückstisch,
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Und nach dem Brötchen frech und frisch
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Das größte Stück nahmst von der Torte.
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Zur Rechten mir sprach würdige Worte
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Der Großpapa. Ihm hatte vor allen
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Des Herrn Pastoren Text gefallen:
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»der Glaube macht es, der Glaube allein.
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Des sollen wir denn getröstet sein,
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Nicht lassen durch Spott und Hohn uns rauben
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Den wahren, einfältigen Christenglauben.«
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Der Papa nach seiner stillen Art
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Lächelt in den weißen Bart:
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»ich würde das alles auch unterschreiben,
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Wär ich Pastor. Bins nicht, laß es bleiben.«
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Auch ich hätt gern vermerkt, was ich dacht,
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Aber es war nicht angebracht.
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Achte den Glauben nicht gering,
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Es ist um den Glauben ein trefflich Ding,
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Und ging er dir über in Fleisch und Blut,
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Fährst du wahrlich mit ihm gut.
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Von mir schon längst er Abschied nahm,
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Irgendwo mir abhanden kam.
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Sind mir nur die zwei andern geblieben:
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Das Hoffen, Kind, und das Lieben, das Lieben.

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Mit diesen beiden kam ich bisher
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Leidlich zurecht, oft etwas für quer,
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Aber alles in allem genommen,
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Bin ich dabei zu Gewinn gekommen,
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Und möchte im Leben nicht anders fahren,
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Und bin doch schon einigermaßen bei Jahren.
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Du hast nun die Schule erst hinter dir,
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Die Welt liegt vor dir, ein blühend Revier,
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In das deine schönen, großen, grauen
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Augen erwartend und ahnend schauen.

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Dein schwarzes Kleid, dein süßes Gesicht,
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Deines Zöpfchens blondbraun Licht,
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Dein kindlich Wesen, dein schwellender Mund,
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Dein junger Leib, frisch und gesund:
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Wie ich so neben dir sitze, geht
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Es wie ein tief und fromm Gebet
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Durch mein ungläubig Herz, und leis,
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Verstohlen, nach frommer Beter Weis,
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Kreuz ich die Finger: Hoffen und Lieben,
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Die treu mir alle Tage geblieben,
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Wendet auch diesem Kind euch zu,
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Streut eure Rosen vor seinem Schuh,
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Daß es gleich mir mit hellem Mut
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Spricht dereinst: Das Leben ist gut.

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Du aber, Liebe, reich mir sacht
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Das Glas jetzt, ihr seis dargebracht.
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»mein Fräulein, Ihr spezielles Wohl.« –
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Daß doch der Teufel das Rotwerden hol!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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