Ich träumte mich auf einem bangen Weg

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Gustav Falke: Ich träumte mich auf einem bangen Weg Titel entspricht 1. Vers(1884)

1
Ich träumte mich auf einem bangen Weg,
2
Auf einem hohen, schwindelschmalen Steg,
3
Der führte mich bis an das Himmelstor.
4
Da stand ich lange, ohne Mut, davor.

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Und zitternd griff ich nach dem rostigen Ring,
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Das Himmelsglöcklein an zu läuten fing,
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Mein Herz erschrak vor seinem hellen Klang,
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Ein armer Sünder auf dem letzten Gang.

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Dann rasselte ein großes Schlüsselbund,
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Ein Knarren, bis der Himmel offen stund,
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Doch hascht ich nur von seiner Herrlichkeit
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Mit scheuem Blinzeln einen Streifen breit,

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Ein Wiesengrün und einen Engelsfuß.
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Sankt Peter barg mir jeden weitern Gruß
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Mit breitem Rücken und erschreckte mich
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Mit barscher Frage: »Freund, wer schickte dich?«

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Mich schickte keiner. »Und was suchst du hier?«
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Nach Erdennot ein ruhiges Quartier,
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Ein Flügelpaar und himmlisches Gewand,
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Ein Tröpfchen Tau aus Gottes hohler Hand.

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»hast du zu solchen Dingen auch ein Recht,
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Warst du auf Erden ein getreuer Knecht?«
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Ich war Poet. »Und kommst zu Fuß hier an?
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Wo hast du deine Flügel hingetan?«

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Ich schämte mich, weil sie so sehr beschmutzt,
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Und ihre schönsten Federn arg gestutzt,
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Weil durch das Fliegen nach dem Flitterkranz
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Des Menschenruhmes dunkel ward ihr Glanz.

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»und deinen Kranz?« Ich hab ihn abgelegt,
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Daß man mit andern ihn zum Kehricht fegt,
31
Und komm nun nackt und ohne Glorienschein.
32
Da sprach der Pförtner gütig: »Komm, tritt ein.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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