Wo die letzten Häuser stehen

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Gustav Falke: Wo die letzten Häuser stehen Titel entspricht 1. Vers(1884)

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Wo die letzten Häuser stehen
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Hinter zart begrünten Hecken,
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Führt der Weg zum Wald hinein.
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Erst doch gilt's zwei Dirnlein necken,
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Die mit hellen Augen sehen
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Übern Zaun her. Spaß muss sein.

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Hinter mir ihr helles Lachen,
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O du süßes Mädchenlachen,
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Schlendre ich auf weichen Wegen
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Frühlingsfroh dem Wald entgegen.
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Feuchter Schimmer, grüner Hauch,
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Voll in Säften Baum und Strauch.
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Rings das Spiel des jungen Lichtes.
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Durch das offene Wipfeldach
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Wie ein goldner Regen bricht es,
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Tropft durch leis bewegte Zweige,
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Überrieselt Moos und Steige,
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Küsst im Gras die Primeln wach.

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Wo die kleinen Veilchen stehen,
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Seh ich helle Kleider wehen;
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Frühlingshüte, Kinderköpfchen,
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Buntes Band in blonden Zöpfchen,
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Frühlingsstimmen, helles Lachen.
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O du süßes Kinderlachen!
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Keine Nachtigallenlieder
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Geben deinen Zauber wieder.
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Komm ich an die kleine Schar,
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Wie die Häschen, naht Gefahr,
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Sitzen sie auf einmal stumm
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All im grünen Gras herum.
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Dann ein Kichern, Zischen, Lachen:
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Lassen uns nicht bange machen.

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Nur das große, schlanke Mädchen,
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Zierlich hält sich's wie am Drähtchen,
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Weiß auf einmal sehr verlegen,
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Nicht, wie soll ich mich bewegen.
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Herr, was sehn Sie so hierher?
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Sie belästigen uns sehr.
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Freilich kann ich es nicht wehren,
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Wollen Sie uns doch beehren.

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Zwischen Birken, zwischen Buchen
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Geh nun ich auch Veilchen suchen.
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Pflücke sittsam erst allein,
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Besser geht's nachher zu zwein.
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Hier ein Blümchen, da, und da!
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Bis wir abseits uns verirrt.
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Keines weiß recht, wie's geschah.
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Leis nur aus der Ferne schwirrt
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Lachen, Rufen uns ans Ohr.

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Doch das kommt beim Veilchensuchen
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Zwischen Birken, zwischen Buchen,
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Bei den besten Leuten vor.
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Lässt's die Mutter auch nicht gelten,
54
Andere werden uns nicht schelten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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