Wie manches Weib umfing ich schon in meinen Träumen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gustav Falke: Wie manches Weib umfing ich schon in meinen Träumen Titel entspricht 1. Vers(1884)

1
Wie manches Weib umfing ich schon in meinen Träumen,
2
Das zu umarmen ließ am Tag die Scheu mich säumen.
3
Gelegenheit verflog, die Frucht blieb ungepflückt,
4
Was half's, dass mich im Schlaf ihr Schattenbild beglückt?
5
Dich aber sah noch nie im Traum ich, wie im Wachen.
6
Wo kamst du Hohe her, von welchem Strand den Nachen
7
Triebst du durchs tiefe Blau des Lüfteozeans?
8
Ein bläulich bleiches Licht war Herold deines Nah'ns.
9
Ein leises Zittern ging vor dir durchs Äthermeer,
10
Dann schwebtest du heran, ein Leuchten um dich her.
11
Wer bist du, stolz Gebild, im Sternenfunkelkranz?
12
Dein Leib – Licht oder Luft? – schien nur durchsichtiger Glanz,
13
Und doch hob sich mein Arm, ihn brünstig zu umfangen.
14
Bist Schein du nur, ein Trug, was weckst du mein Verlangen?
15
Vor deinem Angesicht müsst' sich ein Engel beugen,
16
Die reinere Himmelsglut dir demutvoll bezeugen.
17
Doch schickt von seinem Thron des Flügelheers Befehler
18
Die frommen Boten als Verführer aus und Quäler?
19
Hätt' Satan dich gezeugt, kämst du von seinem Hofe,
20
Der Hölle listig Kind, der Sünde saubere Zofe?
21
Nun lauf' ich durch den Tag ein wacher Träumer hin,
22
Begierdekrank das Blut, vergiftet jeder Sinn.
23
Wie eine Melodie uns peinigt und nicht scheidet,
24
So lässt dein Bild mich nicht, das alles mir verleidet.
25
Schließ' ich die Augen, stehst du vor mir, herrlich Weib,
26
Geöffnet suchen sie in jeder Dirn den Leib,
27
Der so mich hat entbrannt, und wenden ekel sich,
28
Wenn dir die schönste selbst wie Nacht dem Tage glich.
29
Der heilige Anton war wahrlich schlimm daran,
30
Ihn griff der Teufel mit verstärkten Kräften an.
31
War eine einzige nur von jenen Huldgestalten
32
So schön wie du, woher kam soviel Kraft dem Alten?
33
Ich hätte schwerlich wohl so standhaft können sein,
34
Hätt' Keuschheit eingebüßt dabei und Heiligenschein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.