Wenige Hütten, gedeckt

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Gustav Falke: Wenige Hütten, gedeckt Titel entspricht 1. Vers(1884)

1
Wenige Hütten, gedeckt
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Mit überragenden Schindeln.
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Manche versteckt,
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Wie's Kind in den Windeln,
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Hinter Apfelbaumgezweig
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Und gegen den Steig
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Von hohen Dornen eingeheckt.

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Vorm Haus,
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Kraus
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Zwischen Kraut und Nesseln,
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Nelken und Georginen;
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Hinter den Fenstern und Gardinen
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Geranien, Goldlack und wieder Nelken,
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In Scherbenfesseln
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Bestimmt zu welken.

16
Fischergerät, Netze und Schnüre
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Vor jeder Thüre;
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Hin und wieder ein frommer Spruch,
19
Und überall Fischgeruch.

20
Im Sonnenbrande
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Spielende Kinder im Sande,
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Schmutzig und putzig,
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Halb scheu und stutzig,
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Halb dreist,
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Und barfuß zumeist.

26
Auf niederm Sitz
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Der Schwelle hingeduckt
28
Ein altes Mütterchen hockt.
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Kartoffel schälend guckt
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Sie her und lockt
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Mit zitterndem Stimmchen aus zahnlosem Mund
32
Den klaffenden Hund:
33
Komm Spitz!

34
Eine Gänseherde schnattert vorbei.
35
Ein Mädchen vollbusig und drall,
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Bringt eine Ziege zu Stall,
37
Oder auf die Wiese.
38
»was macht der Schatz, Liese?«
39
Wie verschämt sie thut. Ei,
40
Und sich umsieht und lacht.
41
Nimm dich in acht!

42
Vorm Wirtshaus Entengeschwatz
43
Auf dem grasbewachsenen Platz
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Und daneben
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Auf dem übelriechenden Teich,
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Soeben
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Krähen zwei Hähne zugleich,
48
Und die Störchin vom Scheundach herab
49
Klappert: klappklappklapp!
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– Klapp!

51
Schwalben schießen wie Pfeile
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Kreuz und quer über den Weg,
53
Haben immer Eile,
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Sind immer reg,
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Zierlich und schlank,
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Blitz und blank.

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Aus dem Schulhaus,
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Neu aus roten Ziegeln erbaut,
59
Schallt's hell heraus:
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»weißt du, wie viel Sternlein stehn –«
61
Der alte Lehrer singt für zehn
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Und fiedelt dazu.
63
Hartnäckig dazwischen brüllt eine Kuh
64
Von naher Wiese, immer gleich kläglich.
65
Es ist unerträglich.

66
Weiter, beim Kirchhof zum Dorf hinaus,
67
Das letzte Haus sieht wie das erste aus:
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Klein, dürftig und schmutzig.
69
Auf niedrigem Kirchdach kauert,
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Wie versauert,
71
Als ob er die Lust an der Welt verlor,
72
Der Turm, gar putzig,
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Mit runder Haube,
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Und lugt aus dem Laube
75
Breitästiger Linden grämlich hervor.
76
Über die Friedhofsmauer hängt,
77
Die Wurzel zwischen die Quader gezwängt,
78
Schwarzgrüner Epheu, und höher, im Hauch
79
Des Windes, wiegt sich am Strauch
80
Ganz leise, leise
81
Eine dunkelrote Rose.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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