Der Rittmeister

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Gustav Falke: Der Rittmeister (1884)

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Eine Schwadron am Waldessaum,
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Schwarze Husaren. Stehn wie der Baum,
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Die Linke am Sattelknopf.
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Vergoldet vom letzten Tagesstrahl
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Pferdehals, blitzender Reiterstahl,
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Kolpak und Totenkopf.

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Dreißig Schritte vor der Front
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Der Rittmeister grell übersonnt,
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Den Säbel mähnenquer.
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Tief in die bleiche Stirn gerückt
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Die Pelzmütze, späht er vorgebückt,
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Mit Geierblick umher.

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Links auf leichtem Schimmel dicht
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Sein Trompeter, ein flachsblond Milchgesicht.
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Der sieht mit leisem Graun
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Ihn reglos halten auf dem Fleck,
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Wie festgewurzelt Mann und Scheck,
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Ein Bild aus Stein gehaun.

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Säbelwink! Signal! Tra–a–ab! Trab!
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Nun jagt der Victoria die Kränze ab,
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Und wenn sie die Hölle verschanzt.
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Mit hartem Huf stampft Feld und Frucht
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Schnellfüßige Siegeseifersucht,
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Dass Kraut und Scholle tanzt.

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Hurra! in den Feind! Dragoner sind's. Drauf!
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Walkt sie, Jungen! Haut sie zu Hauf!
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Klinge an Klinge blitzt.
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Der Rittmeister mitten im dichtesten Knaul.
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Rechts herab, links herab, hoch vom Gaul.
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Und jeder Hieb, der sitzt.

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Das ist ein Zerren, Stich und Stoß,
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Ein Sinken, Stürzen sattellos.
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Brüllend prallt Wut in Wut.
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Und wie verzogen sind Staub und Schwall,
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Geglättet ruhn die Wogen all,
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Im Sand verrinnt die Flut.

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Zerrissen Ross und Reiter, weh!
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Gefallen wie Halme im Sommer jäh,
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Vorm Siegessichelschlag.
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Am Boden bügellos Held an Held,
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Reiterlos rasen die Pferde durchs Feld,
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Blutrot stirbt der Tag.

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Nur einer entkam. Ihn trug sein Scheck
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Mit hastendem Huf aus Schlacht und Schreck.
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Der Strauß war fast zu heiß!
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Er schlägt von der Attila Staub sich und Sand
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Und wischt sich mit der flachen Hand
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Aus Augen und Stirn den Schweiß.

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Ein hämisch Grinsen kriecht hervor,
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Zieht ihm den Mund von Ohr zu Ohr:
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Heut war's nach meinem Sinn.
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Dann wendet seinen Gaul im Schritt
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Und brütet neuen Grausenritt
54
Der Tod still vor sich hin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Falke
(18531916)

* 11.01.1853 in Lübeck, † 08.02.1916 in Groß Borstel

männlich, geb. Falke

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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