An Phaidros

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Theodor Däubler: An Phaidros (1905)

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Geliebtes Taumbild, über mir in Schwebe,
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Vielleicht mein Zwilling, sternhin abgeneigt
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Von diesem Wesenswuchs, der sich verzweigt,
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Doch fromm macht, daß der Blick sich dirzu hebe,

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Ich weiß wohl, wie ich flehend elend lebe!
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Ein Bruderflug, der immer steiler steigt,
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Mich bald als Ares, ein Gestirn, umreigt,
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Entkreist, weil ich dem Schmachten mich ergebe.

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Auf seinem Boden weilt der stolze Bauer,
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Bringt bloß den Göttern hohe Opfer dar,
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Durch ihn empfängt die Erde Halt zur Dauer.

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Dein Phaidros flog davon und glaubt dem Aar.
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Das Herz bestimmte dir Gesang der Trauer:
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Doch blieb ich, wo ich seltsam selig war.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Däubler
(18761934)

* 17.08.1876 in Triest, † 14.06.1934 in St. Blasien

männlich, geb. Däubler

deutscher Schriftsteller (1876-1934)

(Aus: Wikidata.org)

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