Geliebte

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Theodor Däubler: Geliebte (1905)

1
Geliebte, nimm uns hin mit schweren Schwächen!
2
Ich bin bloß Mensch aus eigner Leidenschaft:
3
Auf deinen Flechten goldet mir geborgne Kraft,
4
Als schlürft ich Glut aus hold besonnten Bächen.

5
Mit freien Augen glückt dir das Versprechen
6
Zu jüngster Wonne, die zu dir mich rafft;
7
Durch deine Sachtheit lieb ich mich in Haft
8
Und mag aus keinen Zartgewinden brechen.

9
Geliebte, laß mich knien zu deinen Füßen;
10
Vergrab so warm die Hand im spröden Haar:
11
Ein Blick empor mag unsern Himmel grüßen!

12
Wer weiß, ob einst die Seele ruhig war?
13
Wohl schwand sie sanft aus allzu trauten, süßen
14
Gefühltheiten in Fremde und Gefahr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Däubler
(18761934)

* 17.08.1876 in Triest, † 14.06.1934 in St. Blasien

männlich, geb. Däubler

deutscher Schriftsteller (1876-1934)

(Aus: Wikidata.org)

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