Mark Bozzari

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Wilhelm Müller: Mark Bozzari (1810)

1
Öffne deine hohen Thore, Missolunghi, Stadt der Ehren,
2
Wo der Helden Leichen ruhen, die uns fröhlich sterben lehren!
3
Öffne deine hohen Thore, öffne deine tiefen Grüste,
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Auf, und streue Lorbeerreiser auf den Pfad und in die Lüfte!
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Mark Bozzari's edlen Leib bringen wir zu dir getragen,
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Mark Bozzari's! Wer darf's wagen, solchen Helden zu beklagen?
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Willst zuerst du seine Wunden oder seine Siege zählen?
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Keinem Sieg wird eine Wunde, keiner Wund' ein Sieg hier fehlen.
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Sieh auf unsern Lanzenspitzen sich die Turbanhäupter drehen!
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Sieh, wie über seiner Bahre die Osmanenfahnen wehen!
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Sieh, o sieh die letzten Werke, die vollbracht des Helden Rechte
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In dem Feld von Karpinissi, wo sein Stahl in Blute zechte!
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In der schwarzen Geisterstunde rief er unsre Schaar zusammen,
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Funken sprühten unsre Augen durch die Nacht, wie Wetterflammen,
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Über's Knie zerbrachen wir jauchzend unsrer Schwerter Scheiden,
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Um mit Sensen einzumähen in die feisten Türkenweiden;
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Und wir drückten uns die Hände und wir strichen uns die Bärte,
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Und
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Da erscholl Bozzari's Stimme: »Auf, in's Lager der Barbaren!
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Auf, mir nach! Verirrt euch nicht, Brüder, in der Feinde Schaaren!
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Sucht ihr mich, im Zelt des Pascha werdet ihr mich sicher finden –
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Auf, mit Gott! Er hilft die Feinde, hilft den Tod auch überwinden!«
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Auf! und die Trompete riß er hastig aus des Bläsers Händen,
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Und stieß selbst hinein so hell, daß es von den Felsenwänden
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Heller stets und heller mußte sich verdoppelnd wiederhallen;
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Aber heller wiederhallt' es doch in unsern Herzen allen.
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Wie des Herren Blitz und Donner aus der Wolkenburg der Nächte,
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Also traf das Schwert der Freien die Tyrannen und die Knechte;
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Wie die Tuba des Gerichtes wird dereinst die Sünder wecken,
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Also scholl durch's Türkenlager brausend dieser Ruf der Schrecken:
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Mark Bozzari! Mark Bozzari! Sulioten! Sulioten!
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Solch ein guter Morgengruß ward den Schläfern da entboten.
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Und sie rüttelten sich auf, und gleich hirtenlosen Schafen
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Rannten sie durch alle Gassen, bis sie an einander trafen,
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Und bethört von Todesengeln, die durch ihre Schwärme gingen,
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Brüder sich in blinder Wuth stürzten in der Brüder Klingen.
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Frag' die Nacht nach unsern Thaten! Sie hat uns im Kampf gesehen –
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Aber wird der Tag es glauben, was in dieser Nacht geschehen?
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Hundert Griechen, tausend Türken, also war die Saat zu schauen
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Auf dem Feld von Karpinissi, als das Licht begann zu grauen.
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Mark Bozzari, Mark Bozzari, und dich haben wir gefunden,
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Kenntlich nur an deinem Schwerte, kenntlich nur an deinen Wunden.
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An den Wunden, die du schlugest, und an denen, die dich trafen,
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Wie du es verheißen hattest, in dem Zelt des Pascha schlafen.

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Öffne deine hohen Thore, Missolunghi, Stadt der Ehren,
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Wo der Helden Leichen ruhen, die uns fröhlich sterben lehren!
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Öffne deine tiefen Grüfte, daß wir in den heil'gen Stätten,
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Neben Helden unsern Helden zu dem langen Schlafe betten!
49
Schlafe bei dem deutschen Grafen, Grafen
50
Bis die Stimmen des Gerichtes alle Gräber werden leeren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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