Die Mainottenwitwe

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Wilhelm Müller: Die Mainottenwitwe (1810)

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Sieben Wunden vor der Stirne und drei Wunden auf der Brust,
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In der Faust das rothe Eisen und im Auge Siegeslust –
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Also lag er auf dem Felde, und im Kreis eng' um ihn her
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Lagen seiner Feinde Waffen, Dolch und Büchse, Schwert und Speer.
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Aber ihrer Träger Leichen lagen ihm so nahe nicht,
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Abgewendet von dem Helden barg im Staub sich ihr Gesicht.
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Tochter, hole mir das Kränzlein, welches hängt in meinem Schrein,
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Aber saß' es sanft – es wird wohl dürre zum Zerbrechen sein.
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Damit will ich heut' mich kränzen, wie an meinem Ehrentag,
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Will auf diesem Felde feiern noch einmal mein Brautgelag.
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Schaff' auch schöne, frische Blumen für den Bräutigam herbei,
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Daß das Lager weich und duftig meinem edlen Schläfer sei,
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Einen Rosensenker steck' ich ihm in jedes offne Mal,
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Daß sie einst aus seinem Hügel sprießen im Eurotasthal;
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Und von diesen Rosen wind' ich dir den Kranz, mein Töchterlein,
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Wenn einmal ein Heldenknabe wird um Deine Liebe frein,
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Einer, der zum Werbegelde so viel Türkenschädel gab,
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Als blutrothe Rosenstöcke blühn auf deines Vaters Grab.
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Aber morgen in der Frühe, wenn mein Bräutigam nun ruht,
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Zieh' ich aus die Festgewänder, nehm' den Kranz von meinem Hut,
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Und im grauen Witwenhemde schleich' ich durch den grünen Wald,
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Nicht, zu lauschen, wo im Dickicht Nachtigallenschlag erschallt,
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Nein, um einen Baum zu suchen ohne Blüth' und ohne Blatt,
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Den die Turteltaubenwitwe sich zum Sitz ersehen hat,
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Und dabei die frische Quelle, die sie trübe macht zuvor,
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Eh' sie trinkt und eh' sie badet, seit sie ihren Mann verlor.
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Da will ich mich niederlegen, wo kein Schattendach mich kühlt,
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Wo der Regenguß die Thränen kalt mir von den Wangen spült,
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Und mit meiner Turteltaube geh' ich einen Wettstreit an,
30
Wer am jämmerlichsten klagen, wer am frohsten sterben kann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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