Meine Muse

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Wilhelm Müller: Meine Muse (1810)

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»und willst du, meine Muse, denn gar zur Megära werden?
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Du sangst noch jüngst im stillen Hain den Hirten und den Heerden,
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Und nun schwingst eine Geißel du laut durch die lauten Gassen,
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Und sprühest Flammen um dich her – Ich weiß dich nicht zu fassen.«
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Du fragst? Siehst du die Hirten nicht nach scharfen Eisen greifen?
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Siehst statt der Lämmer Wölfe nicht Arkadien durchstreifen?
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Siehst in Epirus Felsen nicht die Weiber Schwerter wetzen?
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Siehst du auf Sparta's Fluren
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Da mußt' ich Hirtensängerin mein Haferrohr zerbrechen,
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Und, wie's die scharfe Zeit gebeut, in scharfen Tönen sprechen.
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Der Freiheit Tuba hab' ich hell durch Stadt und Land geblasen:
12
Laß meine Geißel nun um's Haupt der Pharisäer rasen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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