Thermopylä

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Wilhelm Müller: Thermopylä (1810)

1
Heil! Heil! Nie wird Thermopylä den Sieg der Sklaven sehn.
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Heil! Ewig wird Thermopylä, ein Hort der Freiheit, stehn.
3
Da kreist er mit dem Flammenschwert als Wächter um den Paß,
4
Den er mit seinem Blut gefeit, der Held Leonidas,
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Und hinter ihm die ganze Schaar der Treuen bis zum Tod,
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Mit grünen Kränzen auf dem Haupt, die Brust ganz purpurroth.
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Nun rottet euch zusammen nur, ihr Sklaven und ihr Herrn!
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Ihr Söldnerhorden, zieht heran, heran von nah und fern!
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Wir stehen bei Thermopylä; wir stehen Mann für Mann,
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Zu zeigen euch, was Freiheit ist, was Freiheit will und kann.
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Leonidas,
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Und nun laß uns im Kampf allein – wir stehn auf deinem Grab,
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Da stehen wir, da fallen wir, da scharren sie uns ein;
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Mit unsern Leichen wollen wir des Grabes Decke sein,
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Daß nimmer deinen heil'gen Staub berühr' ein Sklavenfuß;
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Er trete lieber doch auf uns, wenn er hier treten muß.
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Heil! Heil! Nie wird Thermopylä den Sieg der Sklaven sehn.
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Heil! Ewig wird Thermopylä, ein Hort der Freiheit, stehn.
19
Schon einmal sprang der Türkenstahl an diesem Felsgestein,
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Schon einmal sank der halbe Mond hier in den Staub hinein,
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Schon manche neue Schatten auch sind über uns zu sehn,
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Die mit der alten Heldenschaar umschweben diese Höhn.
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Wir kennen euch, wir folgen euch getreu in Sieg und Tod,
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Wir färben unsre Brust, wie ihr, mit schönem Purpur roth.
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Heran, ihr Sklaven, nur heran! wir haben unser Mahl
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Genossen schon im Morgenroth, geleert ist der Pokal.
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Wir kränzen unsre Stirn zum Fest, wir kränzen unser Schwert
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Zum Siegesfest, zum Todesfest – was uns der Herr gewährt;
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Nur sei des Todes werth der Sieg, des Sieges werth der Tod!
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Vor Sparta's Leichen bebte hier der medische Despot,
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Und fühlte sich besiegt im Sieg, und sah es selber an
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Mit finstrem Blick, was Freiheit ist, was Freiheit will und kann.
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Heran, ihr Sklaven, nur heran! Auch ihr, ihr sollt es sehn!
34
Heil! Ewig wird Thermopylä, ein Hort der Freiheit, stehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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