Der Pargioten Abschied von den Engländern

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Wilhelm Müller: Der Pargioten Abschied von den Engländern (1810)

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Brüder, laßt und fürder ziehen aus dem schnöden Inselland!
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Laßt uns eilig unsre Segel richten nach dem schönen Strand,
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Wo aus langen schweren Banden Hellas ihre Arme ringt
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Und die kettenwunde Rechte gegen die Tyrannen schwingt.
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Britten, ohne Dank und Segen scheiden wir aus eurem Schutz,
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Wählen einen andern Herren, und derselbe heißet Trutz;
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Der will uns hinüber führen ohne euren sichern Paß,
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Wo wir Päss' uns selber schreiben mit des Blutes rotem Naß.
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Unsre Mauern, unsre Thürme, unsre ganze liebe Stadt,
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So die heil'ge Mutter Gottes selber sich ersehen hat,
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Daß sie von der Felsenspitze auf dem letzten Uferrand
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Tröstend überschauen möchte das gebeugte Griechenland:
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Diese Stadt habt ihr verhandelt, Britten, die ihr schützen wollt,
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Britten, habt sie losgeschlagen für des alten Paschen Gold.
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Hättet wohl auch unsre Häupter gern gegeben in den Kauf?
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Und der grimme Heide wetzte schon sein Henkerbeil darauf.
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Britten, Britten, an den Händen klebt es röther euch, als Blut!
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Britten, Britten, das ist jenes Sündengoldes Höllengluth!
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Und ein hoher Scheiterhaufen stieg auf unsrem Mark empor,
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Und mit Schaufeln und mit Hacken zogen wir aus jedem Thor:
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Jeder grub sich die Gebeine seiner Lieben aus der Gruft,
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Und in freien Flammen lodernd flog der Staub in freie Luft.
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Ach, wohl hätten wir uns selber gern gestürzt in seine Gluth,
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Doch der Weiber und der Kinder Jammer brach der Männer Muth;
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Und so zogen wir von dannen bei der Leichenflammen Schein,
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Und die Brittenschiffe nahmen unsres Elends Lasten ein.
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Haben nun zwei Jahr' gesessen hier auf
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Haben nun zwei Jahr' geschauet sehnlich nach der Heimath Strand.
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Britten, habt uns Schutz gegeben, und noch Ketten auch dabei:
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Euren Schutz und eure Ketten brechen heute wir entzwei.
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Brüder, laßt uns fürder ziehen! Drüben liegt ja unsre Stadt,
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So die heil'ge Mutter Gottes selber sich ersehen hat,
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Daß sie von der Felsenspitze auf dem ersten Uferrand
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Segnend überschauen möchte das erwachte Griechenland.
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Brüder, dahin laßt uns ziehen, eh' der hohe Schutzpatron,
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Uns statt seiner zu beschützen, rufe seinen Kerkerfrohn.
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Brüder, dahin laßt uns ziehen, weil wir noch in unsrer Hand
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Unsre guten Schwerter halten, Schwerter für das Vaterland!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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