Die Eule

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Wilhelm Müller: Die Eule (1810)

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Vogel der
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Ward ich genannt;
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Ich saß auf Minervens Altare,
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Ihr heiliges Feuer hütend.
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Nun liegt er in Trümmern,
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Der Tempel der Göttin
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Auf Cecrops Burg,
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Erloschen und verweht
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Von ihrem Hochaltare
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Die letzten Opferfunken.
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Da hab' ich der
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Und schlafe den langen Tag;
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Und wann die Menschen träumen,
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Dann schau' ich mit blitzenden Augen
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Über die dunkle Erde
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Und schreie Wehe! Wehe!
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Über die
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Aber die Menschen verstehn mich nicht;
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Sie zittern, wenn sie mich hören,
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Nennen mich Weheverkünderin,
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Und ich verkünde doch Wahrheit nur.

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Über Hellas flog ich hin
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Um Mitternacht;
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Am Himmel war kein Stern zu sehn,
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Und blutigroth in Nebelwolken
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Schwamm des Mondes Sichel hin.
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Aber von flammenden Städten,
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Aber von rauchenden Hütten,
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Aber von glühenden Scheiterhaufen
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War es weit und breit so hell,
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Hell wie der Tag,
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Und ich rief Wehe! Wehe!
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Über den Schimmer des hellen Tages.

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Ich hörte blutende Säuglinge winseln
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An gemordeter Mütter Brüsten,
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Sah aus den Klausen heilige Jungfraun
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Schleifen zur Schlachtbank rasender Lust,
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Sahe die Tempel des Kreuzes
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Niedergerissen in Trümmern liegen,
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Und die zerstückten Gebeine
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Ihrer Priester dazwischen
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Über die Steine gestreut.
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Da drückt' ich die blitzenden Augen zu
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Und unter mir hört' ich noch lange
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Ein Heulen, ein Jammern, ein Wimmern,
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Ein Jauchzen, ein Fluchen, ein Knirschen –
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Dann ward es still.

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Und ich schlug die blitzenden Augen auf,
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Da standen an eines Flusses Ufer
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Heere des Kreuzes zu Roß und zu Fuß;
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Ich konnte sie nicht absehen,
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So hoch ich mich mochte schwingen.
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Und Waffen trugen sie in den Händen,
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Und ihre Blicke glühten,
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Wie ihre Lanzenspitzen,
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Nach Blut.
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Da rief ich Wehe! Wehe!
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Da rief ich Rache! Rache!
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Da rief ich Hülfe! Hülfe!
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Und lange hätt' ich noch geschrien,
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Da ward's im Morgen helle,
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Und in die Augen flimmerte
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Verblendend mir das Tageslicht.
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Und ein Schwarm von höhnischem Luftgesindel
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Flog schnarrend und pfeifend mir um das Haupt,
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Mein Schreien übertäubend.
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Da rief ich Wehe! Wehe!
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Über die Thorheit des hellen Tages!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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