Die Sklavin in Asien

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Wilhelm Müller: Die Sklavin in Asien (1810)

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Schwestern, weint mit mir! Ich weine über meine Ketten nicht.
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Sollt' es mich denn gleich zerdrücken, dieses eiserne Gewicht,
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Das so lange hat getragen unser edles Vaterland,
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Und es konnt' ihm doch nicht lähmen seine alte Heldenhand?
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Schwestern, weint mit mir! Ich weine nicht um unsrer Arbeit Schweiß.
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Keiner soll des Polsters pflegen, der den Leib zu rühren weiß,
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Wenn das Vaterland in Nöthen laut nach seinen Kindern schreit –
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Wer nicht wehren kann und stürmen, sei zu leiden doch bereit.
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Schwestern, weint mit mir! Ich weine nicht um meiner Brüder Tod.
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Ihre sel'gen Geister schweben oft um mich im Abendroth,
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Wehn mit ihren Siegeskränzen kühlen Trost von fern mir zu –
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Sollt' ich denn durch eitle Thränen stören ihre Grabesruh'?
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Schwestern, weint mit mir! Ich weine auch um meinen Liebling nicht.
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Lebt er, o so weiß ich, daß er, als ein Held – für mich auch ficht;
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Sank er, will ich Lorbeerbäume pflanzen über sein Gebein,
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Und die Stätte wird ein Tempel für die freie Hellas sein.
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Schwestern, weint mit mir! Ich weine, weine, daß ich bin kein Mann –
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Daß ich nicht ein Roß besteigen, keine Lanze schwingen kann,
19
Daß ich nicht kann Eisen sprengen, schwimmen durch die wilde Fluth –
20
Drüben in dem freien Lande frei verspritzen freies Blut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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