Alexander Ypsilanti aus Munkacs

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Wilhelm Müller: Alexander Ypsilanti aus Munkacs (1810)

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Alexander Ypsilanti saß in Munkacs
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An den morschen Fenstergittern rüttelte der wilde Sturm,
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Schwarze Wolkenzüge flogen über Mond und Sterne hin –
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Und der Griechenfürst erseufzte: Ach, daß ich gefangen bin!
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An des Mittags Horizonte hing sein Auge unverwandt:
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Läg' ich doch in deiner Erde, mein geliebtes Vaterland!
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Und er öffnete das Fenster, sah in's öde Land hinein;
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Krähen schwärmten in den Gründen, Adler um das Felsgestein.
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Wieder fing er an zu seufzen: Bringt mir Keiner Botschaft her
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Aus dem Lande meiner Väter? – Und die Wimper ward ihm schwer –
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War's von Thränen? war's von Schlummer? und sein Haupt sank in die Hand.
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Seht, sein Antlitz wird so helle – Träumt er von dem Vaterland?
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Also saß er, und zum Schläfer trat ein schlichter Heldenmann,
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Sah mit freudig ernstem Blicke lange den Betrübten an:
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Alexander Ypsilanti, sei gegrüßt und fasse Muth!
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In dem engen Felsenpasse, wo geflossen ist mein Blut,
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Wo in
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Haben über die Barbaren freie Griechen heut' gesiegt
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Diese Botschaft dir zu bringen ward mein Geist herabgesandt.
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Alexander Ypsilanti, frei wird Hellas heil'ges Land!
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Da erwacht der Fürst vom Schlummer, ruft entzückt: Leonidas!
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Und er fühlt, von Freudenthränen sind ihm Aug' und Wange naß.
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Horch, es rauscht ob seinem Haupte, und ein Königsadler fliegt
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Aus dem Fenster, und die Schwingen in dem Mondenstrahl er wiegt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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