Das Verhör

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Wilhelm Müller: Das Verhör (1810)

1
Thu' auf die Thür, du holde Maid, thu' auf und laß mich ein! –
2
Wer klopft, wer ruft in stiller Nacht? Ein Türke wird es sein. –
3
Es ist kein Türk', es ist ein Christ, es ist ein guter Christ,
4
Der deinen purpurrothen Mund viel tausendmal geküßt. –
5
Ich sehe dich im Dunkel nicht, so sag' ein Zeichen mir
6
Von Hof und Haus und Kämmerlein, damit ich traue dir. –
7
Im Hofe springt ein Silberquell, und wie der Wind auch weht,
8
Er springt nach deinem Fenster nur, wenn eines offen steht.
9
Am Hause rankt die Rebe sich hinauf von Stein zu Stein,
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Bis mit den nassen Augen sie kann sehn zu dir hinein.
11
Du trocknest ihre Thränen ab, sie brechen auf zumal,
12
Und goldne Nektartrauben glühn in deiner Sterne Strahl.
13
In deiner Kammer an der Wand ist ein verhängter Schrein,
14
Es blickt kein Mond, es blinkt kein Stern, kein Lämpchen flimmt hinein:
15
Darinnen liegt die Lilie auf einem Rosenbeet –
16
Ich komme schon, ich öffne schon! Herein, wer draußen steht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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