Der Elfentraum

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Wilhelm Müller: Der Elfentraum (1810)

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In Nachtviolenkelchen eingeschlossen,
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Verschliefen einen heißen Tag die Elfen.
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Nun öffnen sie die schummertrunknen Augen
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Und blinzeln, weil zu nah die Funkenwürmchen
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Um ihre Lager schwärmen. – Gut geschlafen?
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Frägt Ariel sein Liebchen Ariella. –
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Ach nein, mein Herz, ich hatte bange Träume.
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Ich sahe dich, du warst in einen Tropfen
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Eiskalten Thau, der tief versteckt im Kelche
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Der Nachtviole lag, hineingefallen.
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Ich schrie und rief zu Hülfe, was von Elfen
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Im ganzen Kelche war – sie kamen alle,
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So weit sie meine Stimme nur vernahmen,
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Bis von den allerhöchsten Blätterspitzen –
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Ach ja, die Noth lehrt schreien, mein Geliebter!
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Und flugs hing eins sich an des andern Flügel,
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Wie Glieder einer Kette sich verbindend,
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Und unsre Kette ward so lang, mein Herzchen,
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So lang, wie ich gesehn noch keine andre,
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Selbst nicht bei unsres Königs Hochzeitfeier,
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Im großen Reigen, welchen alle Gäste
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Mittanzen mußten auf dem Lilienplane.
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Ich war das unterste der Glieder, wurde
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Hinabgelassen in den tiefen Tropfen,
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Und sahe dich – du lagst und zappeltest
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Und strecktest sehnlich deine lieben Arme
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Zu mir empor – ich aber sehnt' und dehnte
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Mich aus mit allen Kräften – Ach, vergebens!
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Die Kette war zu kurz, und alle Elfen
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Schrien hinter mir: Sie reißt, sie reißt, die Kette!
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Da wacht' ich auf und lag in deinen Armen
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Und mußte dich mit meinen Küssen wecken,
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Zu sehn, ob du auch wirklich unversehrt bist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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