An die Ungünstigen

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Wilhelm Müller: An die Ungünstigen (1810)

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Und laßt mir doch mein volles Glas,
2
Und laßt mir meinen guten Spaß
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Mit unsrer schlechten Zeit!
4
Wer bei dem Weine singt und lacht,
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Den thut, ihr Herrn, nicht in die Acht!
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Ein Kind ist Fröhlichkeit.

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Es neckt und zeckt aus Zeitvertreib,
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Rückt aber Keinem auf den Leib
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Mit hartem Stoß und Schlag;
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Es hat's auf Niemand abgesehn,
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Und Allen, die vorübergehn,
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Schickt es ein Schnippchen nach.

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Wie groß und schwer die Leute sind,
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Was frägt danach das wilde Kind?
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Bleibt es doch leicht und klein.
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Es spritzt dem steifen Lachenicht
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Ein Glas Champagner in's Gesicht
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Und kichert hinterdrein.

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So laßt ihm denn sein volles Glas,
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Und laßt ihm seinen guten Spaß
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Mit unsrer schlechten Zeit!
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Seht nur nach dem, der Wasser schluckt,
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Und einsam in dem Winkel muckt,
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Und stumme Galle speit.

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Er soll von altem Adel sein,
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Und erbt die Gicht durch Arm und Bein
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Schon von dem zwölften Ahn.
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Er heißt der Herr von Mißvergnügt,
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Der Steine sä't und Wasser pflügt,
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Und doch nicht ernten kann.

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Vor diesem seid auf eurer Hut!
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Der Unmuth thut nicht eher gut,
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Bis ihr ihn tauft mit Wein.
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Und soll das Werk von Statten gehn,
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So ladet zum Gevatterstehn
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Den Übermuth ihm ein.

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Ungünstige gestrenge Herrn,
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Noch einen Becher leer' ich gern
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Auf euer Wohl zuletzt.
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Es geht auf Erden jede Kunst
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Nach Brot und Wein, nach Dunst und Gunst,
42
Und wohlfeil ist es jetzt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

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