Der Zechbruder und sein Pferd

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Wilhelm Müller: Der Zechbruder und sein Pferd (1810)

1
Ich hatt' einmal ein Gaul,
2
Das thät schön galoppiren,
3
War von gar frommer Art,
4
Ein Kindlein konnt' es führen;
5
Doch wenn es an ein Wirthshaus kam,
6
Den Kopf es in die Beine nahm,
7
Warf in den Sand mich lieber,
8
Als daß es ging vorüber.

9
Der Wirth saß vor der Thür,
10
Und sprang herzu behende;
11
Gleich stand das Rößlein still,
12
Als ob's ein Zauber bände.
13
So ging's in Stall und Stub' hinein,
14
Das Roß fraß Hafer, ich trank Wein:
15
Das Rößlein wurde wählig,
16
Der Reiter wurde selig.

17
Da fiel es denn mir ein,
18
Das Rößlein zu verkaufen,
19
Das mich so tückisch zwang,
20
Mich täglich zu besaufen.
21
Denn ach! viel Schenken giebt es hier,
22
Und überall gut Wein und Bier:
23
In jeder nur
24
So wirbelt's schon im Näschen.

25
Verruchtes Teufelsthier!
26
Nun hatt' ich's in den Taschen,
27
Als baares blankes Geld,
28
Vollauf zu tausend Flaschen.
29
Doch um zu zeigen, wer ich sei,
30
Wollt' ich am Wirthshaus frank und frei
31
Gleich 'mal vorübergehen,
32
Ohn' auch hinein zu sehen.

33
Und als ich ging vorbei,
34
Da ward das Geld lebendig,
35
Und wühlt' und stieß und sprang
36
Umher so ganz unbändig,
37
Als wollt' es auf der Stelle schier
38
Zermalmen alle Rippen mir,
39
Bis ich mich ließ bethören,
40
In's Wirthshaus einzukehren.

41
Da fand das arge Geld
42
Bald seine gute Ruhe.
43
Nun liegt der ganze Schatz
44
Schon in des Schenken Truhe.
45
Ach, aber tief in meinem Bauch
46
Da liegt das Gaul, die Thaler auch,
47
Und treiben's zum Erbarmen
48
Noch immer mit mir Armen.

49
Wenn ich ein Wirthshaus seh',
50
Fängt's in mir an zu toben,
51
Als wollt' es kehren gleich
52
Das Unterste zu oben.
53
Und sprech' ich in dem Wirthshaus ein,
54
Der Wirth, der Schuft, giebt keinen Wein
55
Für's Gaul und's Geld im Magen,
56
So arg sie mich auch plagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Wilhelm Müller
(17941827)

* 07.10.1794 in Dessau, † 30.09.1827 in Dessau

männlich, geb. Müller

deutscher Dichter des 19. Jahrhunderts (1794-1827)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.