»warum verstummt das Lied, daß heiße Welle

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Betty Paoli: »warum verstummt das Lied, daß heiße Welle Titel entspricht 1. Vers(1854)

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»warum verstummt das Lied, daß heiße Welle
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Sich stürmisch einst aus deiner Brust ergoß?
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Das Lied, das dunkel bald, bald wieder helle
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In fremde Herzen strömend überfloß?
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Ist's unerhörten Mißgeschickes Grelle,
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Die, dich versteinernd, dir die Lippe schloß?
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Wie? Oder ward dir solches Glück zu eigen,
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Daß es zu feiern nur mit sel'gem Schweigen?«

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Das ist es nicht. Kein Uebermaß der Wonnen,
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Kein ird'scher Schmerz hält mich in seinem Bann,
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Und fahre ich nicht fort wie ich begonnen,
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So ist's nur, weil ein Traumbild mir zerrann,
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Ein holder Wahn, ein süßer Märchenbronnen,
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Aus dem ich immer neue Kraft gewann,
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Im Lebenskampf mich standhaft zu bewähren,
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Des Lebens Leid im Liede zu verklären.

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Was dieses Traumbild war! Es war der Glaube
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An eines Gottes treue Vaterhand,
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An eine Heimat über'm Erdenstaube,
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An meines Wesens ewigen Bestand!
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Seit er dem grimmen Zweifel ward zum Raube,
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Ist stumm mein Lied, mein Inn'res ausgebrannt,
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Und lähmend dringet mir auf allen Wegen
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Der Moderhauch der Endlichkeit entgegen!

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Wenn blinde Mächte nur das Weltall lenken
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Die selber weiter nichts als Stoff und Kraft,
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Dann fluche ich dem Fühlen und dem Denken,
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Den Folterknechten unsrer grausen Haft,
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Dann lob' ich jeden, der mit Taumeltränken
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Dem marternden Bewußtsein sich entrafft,
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Daß er, samt seines Geistes reinsten Trieben,
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Ob heut', ob morgen spurlos muß zerstieben!

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Dem finstern Rätsel nimmer nachzusinnen,
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Beglückt, wem sich der einz'ge Ausweg bot!
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Mir liegt er fern; auf Stunden nicht entrinnen
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Kann ich dem Wehgefühl so bitt'rer Not.
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Soll diesem Sein kein höh'res sich entspinnen,
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So ist es mir nur ein geschminkter Tod,
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Ein Truggesicht mit gleißnerischen Zügen,
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Die frechste, die verruchteste der Lügen! –

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Dem starren Weltgesetz muß ich mich neigen,
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Das mich zum Staub erniedrigt, zum Atom!
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So wall' ich denn, versenkt in düstres Schweigen,
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Auf Erden hin, ein Schemen, ein Phantom,
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Bis, fortgerissen von dem Todesreigen,
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Erfaßt von der Vernichtung dunkelm Strome,
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Die Qual, die Leben heißt auf diesem Sterne,
48
In meinem Grabe ich vergessen lerne!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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