Am zehnten des August verdarb

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Betty Paoli: Am zehnten des August verdarb Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Am zehnten des August verdarb
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Des Königtumes letzte Stütze!
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Die Krone wich der roten Mütze,
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Als vor dem Schloß die Garde starb.
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Paris hat keine Freistatt mehr
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Für Ludwigs Freunde und Vasallen;
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Die nicht von Henkershand gefallen,
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Entflohen über Land und Meer.

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Und die der Mordstahl nicht gefällt,
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Die nach der Ferne nicht entkamen,
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Sie irren unter falschem Namen,
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Von Argwohn und Verrat umstellt.
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So auch der junge Offizier,
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Der, als in Staub die Lilien sanken,
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Des Pöbels blutbefleckten Pranken
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Entronnen durch ein Wunder schier.

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Da tönet durch Paris die Mär',
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Im Flug von Mund zu Mund getragen:
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»im Aufruhr die Vendée! Geschlagen
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Von Bauernhorden unser Heer!«
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Mit Zornesflüchen, wild und wüst,
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Hat sie die Bergpartei vernommen;
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Ein Rettungstrahl, der neu erglommen,
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Ward von den Treuen sie begrüßt. –

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Dicht drängt sich dort des Volkes Hauf'
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Wie vormals zu Versailles' Festen;
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Es brechen heute nach dem Westen
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Die neugeworb'nen Truppen auf.
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Trompetentöne, hell und froh,
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Beflügeln der Rekruten Schritte!
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Hinzieh'n sie, und in ihrer Mitte, –
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Ist's möglich? – Paul von Boispréau!

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Er hier? Vergaß er seiner Pflicht?
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Hat er, in feiger Opferscheue,
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Gebrochen die beschwor'ne Treue?
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Beim Himmel, nein! das hat er nicht!
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Um sicher vor der Späher Blick,
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Nach der Vendée hin zu entkommen,
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Hat er, zum Schein nur, Dienst genommen
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Im Heer der grimmen Republik.

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»vendée! o du mein Hoffnungsstern!«
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So jauchzt er heimlich; seinem Sehnen
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Scheint endlos sich der Weg zu dehnen,
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Anstatt zu reiten, flög' er gern!
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Ob auch sein kecker Plan gelingt?
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Hoch über alle Raumesschranken,
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Wie flattern rastlos die Gedanken,
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Von seiner Ungeduld beschwingt!

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Er träumt von Ueberfall und Schlacht,
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Sieht sich genüber jenen Horden,
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Die seine Freunde, Brüder morden,
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Die Greuel sonder Zahl vollbracht!
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Und rascher pocht sein Herz! er sieht
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Den Thron in seinem frühern Glanze,
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Den König, – – »Du bist nicht beim Tanze!«
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Der Leut'nant schreit, »halt dich im Glied!« –

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Sie sind am Ziel. Wohl ist es Zeit,
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Denn schlimm steht's um der Blauen Sache!
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Santerre, von Wut erfüllt und Rache,
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Ist endlich wieder kampfbereit.
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Er hört, daß der Rebellen Macht
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Man gestern bei Beaulieu gesehen, –
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Jetzt mag ein großer Schlag geschehen!
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Fort zieh'n sie, eh' der Tag erwacht.

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Schon haben sie Beaulieu erreicht!
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Allein kein Gegner will sich zeigen.
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Das Licht nur spielet in den Zweigen
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Durch die der Westwind träumend streicht.
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Im Sattel hebt sich Boispréau,
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Sein brennend Aug' durchfliegt die Räume, –
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Nichts! nichts als Buschwerk, Sträucher, Bäume!
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Er murmelt leis': Wo sind sie? wo?

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Das hört sein bärt'ger Nebenmann:
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»meinst du, wo die Brigands wohl stecken?
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Kam'rad, du bist noch grün! Die Hecken,
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Die Gräben sieh' dir näher an!
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Dort liegen sie im hohen Gras,
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Den Finger an dem Schloß der Flinte!
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Wir andern kennen schon die Finte!
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Was ist dir, Freund? wirst ja ganz blaß!«

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»'s ist nichts. Dort, sagst du? dort am Wald?
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Da gilt's doch nur ein frisches Wagen!
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Wie lüstet mich's, sie zu verjagen
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Aus ihrem tück'schen Hinterhalt!
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Laß seh'n, ob sicher mein Geschoß!
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Ob sicher auch mein Fuß im Bügel!«
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Und plötzlich, mit verhängtem Zügel,
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Sprengt er auf eine Hecke los.

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»der König hoch! die Lilien hoch!«
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Er ruft's, hoch schwingt er seinen Degen!
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Ihm folgt ein dichter Kugelregen
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Und schlägt in manchen Baum ein Loch.
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Beim höchsten Gott! die Jagd ist heiß!
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»der König hoch!« schallt ihm's entgegen, –
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Jetzt noch ein Sprung, tollkühn, verwegen,
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Und Paul steht in der Freunde Kreis!

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»greift an! Die Füsiliere vor!«
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Doch kaum ist der Befehl gegeben,
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Da tauchen aus den Hecken, Gräben
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Vendéer allerwärts empor.
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Im Nu sieht sich Santerre umstellt!
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Nach einem Kampf voll Blut und Leichen
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Muß knirschend er dem Gegner weichen, –
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Den Königlichen bleibt das Feld!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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