Ans Fenster rückt' ich meinen Tisch

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Betty Paoli: Ans Fenster rückt' ich meinen Tisch Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Ans Fenster rückt' ich meinen Tisch
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Und wollte weise Dinge schreiben,
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Doch, eh' ichs dachte, sah ich frisch
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Mein Blatt im Morgenwinde treiben.

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Was liegt an einem Blatt Papier?
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Leicht ist's ein zweites zu bereiten!
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Nun aber ließ die Sonne mir
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Streiflichter blendend drüber gleiten.

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Wie flogen sie so lustig hell
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Die Pfeile von dem gold'nen Bogen!
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Gleich einem Schilde ließ ich schnell
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Den grünen Vorhang niederwogen.

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Jetzt, meint' ich, jetzt wird Ruhe sein!
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Des Fleißes ernste Zeit beginne!
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So dacht' ich, still vergnügt, allein
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Bald ward ich meines Irrthums inne.

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Denn schmeichelnd und verlockend drang
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Durch Blättergrün und grünen Schleier
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Der Vögel Lied wie Festgesang,
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Wie eine freud'ge Liebesfeier.

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Was half es mir, daß ich mein Ohr
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Vom Lauschen suchte zu entwöhnen?
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Im Geiste hörte ich den Chor
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Der süßen Stimmen doch ertönen.

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Vergeblich sorgt' ich, daß sich nicht
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Der Sonne Schimmer zu mir stehle;
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Das ich von mir gebannt, das Licht,
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Ich schaut' es doch in meiner Seele.

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Da warf ich meine Feder hin!
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Nicht länger konnt' ich widerstreben,
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Gefangen war mir Herz und Sinn –
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Ich mußte mich dem Lenz ergeben.

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Aus meinem Hause trieb mich's fort
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Auf waldgekrönte Vergeshöhen,
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Wo, wie ein mildes Segenswort,
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Die ahnungsvollen Lüfte wehen.

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Den heil'gen Stimmen horchend, saß
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Ich dort bis spät zum Abendlichte,
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Und meine trunk'ne Seele las
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In Gottes ewigem Gedichte!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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