Schon glaubt' ich meines Herzens Schläge

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Betty Paoli: Schon glaubt' ich meines Herzens Schläge Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Schon glaubt' ich meines Herzens Schläge
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Beschwichtigt und zur Ruh gebracht,
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Schon glaubt' ich, überwunden läge
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Im Staub vor mir des Lebens Macht,
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Verachtend blickt ich auf die Klage,
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Kalt lächelnd auf versunk'nes Glück,
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Und das Gedächtniß früh'rer Tage
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Wich scheu vor meinem Stolz zurück.

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So wähnt' ich mich geheilt, genesen,
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Hinwallend auf erlauchter Spur,
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Geläutert und geräumt mein Wesen
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Von Schlacken irdischer Natur.
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Wie stieg das Blut in meine Wangen,
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Wie strahlte im Triumph mein Blick!
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Bewältigt hatt' ich Wunsch und Bangen,
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Mein Wille nur, war mein Geschick.

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So war's noch gestern. Wie nun heute?
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Welch dunkler Bann hat mich berührt,
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Und die ihm abgerung'ne Beute
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Dem Schmerze wieder zugeführt?
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O Purpur, deckend Bettlerblöße!
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O Kronenreif von Glitzerschaum!
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O wahngeträumte Herrschergröße –
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Besiegt, zerstört hat euch ein Traum!

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Ein Traum, deß finst'rer Zaubersegen
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Mit Fesseln meuchlings mich umreift.
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Er brach herein, wie Räuber pflegen,
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Als ich die Rüstung abgestreift.
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Er brach herein bei nächt'ger Stille,
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Vampyrhaft saugte er mein Blut,
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Als schlimme Wächter, Geist und Wille
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Erschöpft vom Tageswerk geruht.

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Und die in mir so lange schliefen,
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Die alte Lieb', das alte Leid,
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Sie stiegen aus des Grabes Tiefen
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Von ihm erweckt, durch ihn befreit.
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Sie sangen ihre Schmerzenlieder,
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Sie winkten mit der Geisterhand,
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Und aus der Asche schlugen wieder
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Die Flammen auf in wildem Brand.

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Da, plötzlich aus dem wirren Grund,
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Rang sich ein Bild gewitterklar,
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Du tratst vor mich, wie in der Stunde,
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Die meines Friedens letzte war.
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Wir sind uns fremd im Leben, Sterben,
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Wir haben fürder nichts gemein,
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Was drängst du, ganz mich zu verderben.
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Dich nun in meine Träume ein?

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Was nahst du mir mit fleh'ndem Munde,
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Was blickt dein Aug' so schmerzenwild,
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Daß aus der schon vernarbten Wunde
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Auf's neu' der alte Blutstrom quillt?
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Was mußt du mir die Kunde bringen
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Mit deinem trüben Seelengruß,
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Daß all mein Kämpfen, all mein Ringen
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Die eitle Müh' des Sisyphus?

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Daß alle meine Geistesflüge
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Ein Flattern an der Kette bloß,
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Daß meine Kraft armsel'ge Lüge
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In Nichts zerfließend, wesenlos,
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Daß meinem innersten Gemüthe
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Fortan nichts wahr und wirklich heißt,
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Als nur die Lieb', in der es glühte,
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Und nur der Schmerz, der es zerreißt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Betty Paoli
(18141894)

* 30.12.1814 in Wien, † 05.07.1894 in Baden bei Wien

weiblich, geb. Paoli

österreichische Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

(Aus: Wikidata.org)

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